Computerspiele in Hollywood - FazitDer Teufel im Detail
Das Thema um drei oder vier Autolängen verfehlt, blieb den Machern des Films noch immer der Griff in die Trickkiste, wie in "Doom – Der Film" geschehen. In dem waren aus Dämonen zwar kurzerhand Mutanten und aus Space Marines das Rapid Response Tactical Squad geworden, allerdings gab es zum Abschluss eine knapp fünfeinhalb-minütige Sequenz in Ego-Shooter-Manier, die echte Doom’ler zurück nach Hause holte. Nicht so in "Hitman – Jeder Stirbt alleine". Zahllose kleine Fehler und Versäumnisse entfernten Film und Spiel zunehmend von einander, obgleich Xavier Gens schon im Vorfeld betont hatte, auf die "ikonografischen Aspekte", sprich die Merkmale, die für 47 und die Spiele besonders typisch sind, besonderen Wert legen zu wollen. Weshalb man gerade die Klaviersaite, seine wichtigste und markanteste Waffe, nicht einmal im Abspann erwähnte, bleibt wohl Gens Geheimnis. Im Spiel wurde 47 von Torsten Michaelis brillant synchronisiert. Der Mann, der seine Stimme bereits Wesley Snipes (Blade), Sean Bean (Der Herr der Ringe: Die Gefährten) und Martin Lawrence (Bad Boys – Harte Jungs) sowie Max Payne (Max Payne 2: Fall of Max Payne) und Garrett (Thief 2: The Metal Age) lieh, schien den Hitman zu vollenden - ruhig und klar, niemals zornig oder hektisch, weder zu hoch, noch zu tief, ideal, um unauffällig zu bleiben. Im Film durfte ein anderer ran. Über die Gründe, weshalb man dieses entscheidende Merkmal aus dem Vorbild nicht für die deutsche Fassung übernahm, kann nur spekuliert werden. Ebenfalls vermissen lässt die Hollywood-Darbietung die unfreiwillige Komik des Attentäters. Was 47 an Pathos und Dramaturgie fehlt, macht er mit seinem versteckten Sinn für Humor allemal wett. Wenn er sich einem Wachmann mit dem zaunpfahlschwenkenden Namen "Reaper" oder "Metzger" vorstellt und trotzdem eingelassen wird, muss ich einfach schmunzeln. Zudem schreckt er vor keiner noch so peinlichen Verkleidung zurück, um unerkannt in die Nähe seines Opfers zu gelangen. Ob als Clown auf einem Kindergeburtstag oder als Weihnachtsmann auf der Party eines Bordellbesitzers – Hauptsache "unauffällig". Im makaberen Kontrast zu seinem stetig finsteren Gesichtsausdruck wirkt das Kostüm einer großen, roten Ente wie ein in eine Blutlache gemalter Smiley. Wenn ich meinem drei-jährigen Neffen erzähle, was ich mit dem echten Weihnachtsmann machen musste, um an seine Klamotten zu kommen, spricht der nie wieder ein Wort mit mir. Und das mit Recht! Derartige Versäumnisse sind bedauerlich, aber nicht katastrophal. Eine Katastrophe ist es hingegen, wenn 47 angeflirtet wird und verlegen das Weite sucht, anstatt die Dame wie einen Wassertropfen an der Schwanzfeder einer Ente abperlen zu lassen. Auf die Frage hin, wie sein Name sei, antwortet er für gewöhnlich mit: "Namen sind etwas für Freunde. Ich brauche keinen." Im Film verrät er augenblicklich seine Nummer. Angst und Bange wurde mir ebenfalls, als die süße Nika sich leicht angesäuselt an 47s Hose zu schaffen machte und erleichtert unterdrückte ich das "Gott sei Dank!", als er sie kommentarlos ausknockte. Da war man dann wieder im Spiel für den Bruchteil einer Sekunde. Summa Summarum Unterm Strich haben Hollywood-Adaptionen berühmter Büchern und die beliebter Spiele doch alle eines gemeinsam: Die empörte Anhängerschaft des Originals schimpft auf die Verfilmung, komme, was da kommen mag. Doch das sollte sie nicht. Vielleicht sind nörgelnde Leseratten einfach nur neidisch darauf, dass Filmfans "Harry Potter" bei Cola und Popcorn im sanften Dämmerschlaf innerhalb von zweieinhalb Stunden abarbeiten, während sie sich über Wochen durch einen 1000-Seiten-Wälzer ackern mussten. Hitman-Spieler sehen einen Film, der mit dem Spiel nur im Ansatz zu tun hat, und akzeptieren zahllose Kompromisse, überglücklich, dass ein Nischenspiel wie ihres überhaupt Beachtung findet und die Zugeständnisse an die weibliche Kino-Begleitung kein Musical daraus gemacht haben. Wer sich bis heute schwer damit tut, Hollywood seinen Auftritt zu lassen, sollte fix dazulernen, denn mit Warcraft, Splinter Cell, Crysis, Postal und Far Cry haben bereits die nächsten Legenden aus dem Reich der Computer- und Videospiele ihren Leinwand-Auftritt angekündigt. Und es braucht eine ordentliche Portion Kompromissbereitschaft, um Til Schweiger in der Rolle des Jack Carver ohne Murren hinzunehmen. Am Ende dieser Problemerörterung angekommen, wissen wir es also endlich besser. Künftig jammern wir nicht mehr, wir akzeptieren gelassen. Theoretisch könnte man natürlich trotzdem nach einem Schuldigen suchen. Wem verdanken wir massenmarkt-tauglich geschneiderte Verfilmungen besonderer Originale und dem damit einhergehenden Verlust ihres einmaligen Charmes? Der holden Weiblichkeit? Na ja, vielleicht ein bisschen. Und trotzdem käme kein Kerl bei Verstand auf die Idee, sich allen Ernstes zu beklagen. Stattdessen tut man gut daran, sich schleunigst an die kosmetischen Eingriffe Hollywoods zu gewöhnen, denn seien wir einmal ehrlich: Es ist einfach nicht das selbe ... mit dem besten Freund im Pärchensitz. Ein stiller Kuss zum Abschied? Ihr Glück, dass er bereits tot ist ...
![]() Datum ... 09.03.2008 Kategorie ... Kolumnen Meinungen ... 2 Kommentare Weitere zugehörige Artikel · DLC - Diese leidliche Chose· Die kleine Welt der großen Spiele · Kai erobert die Hauptstadt und Station 54 – Woche 4 - Ende
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