Computerspiele in Hollywood - Teil 3

Tribut an die Traumfabrik

Viel Rot und Schwarz, ein warmes Orange von Zeit zu Zeit. Der letzte Teil der Reihe arrangierte mithilfe von wenigen Farben ein besonderes Ambiente. Beschwerten sich die deprimierten Hitman-Fans nach "Contracts" noch, es sei zu trist und düster gewesen, blieb ihnen nach "Blood Money" nichts anderes übrig, als dem perfekte Farbenspiel stehend zu applaudieren. Die Entwickler jonglierten gekonnt mit Tag- und Nachtschauplätzen und hüpften elfengleich zwischen schmutzigen Szenarien und klinisch weißen Augenblicken hin und her. Erdrosselt 47 in einem Level noch einen Kellner auf dem schmutzigen Hinterhof einer schlüpfrigen, kleinen Bar, spaziert er in einem anderen wie ein Gesandter des Himmels durch eine Allee aus rosa-weißen Kirschblütenbäumen. Die Szenerie wirkt nicht selten surreal, wie aus einem Traum geklaut und doch durch viele, kleine Details wie gemacht für unseren Helden. Er ganz blass und kalt, die Welt um ihn herum lebendig, aufgewühlt. Bunt karikiert scheint sie in ihren sündhaften Zügen, den schönen und den hässlichen Momenten, wie ein lieblos gezeichnetes Strichmännchen hält der Protagonist dagegen. Auch das wird den Produzenten Luc Besson, der bereits in "Léon – Der Profi" und "Das fünfte Element" Regie führte, gereizt haben. Der Film greift die Stimmung des Spiels bisweilen 1:1 auf.

Dass "Blood Money" nicht nur in puncto Farben äußerst stimulierend auf die Filmcrew wirkte, zeigt zudem die Wahl des Titelsongs für das Hollywood-Remake. Mit "Ave Maria", gesungen von Christina England, entspricht der nämlich exakt dem des letzten Teils des Spiels - ein weiterer Indikator des angesprochenen Gegensatzes zwischen den farbenfrohen Orten und der Hauptfigur. Bevor 47 das "Ego te Absolvum" zu hören bekäme, gäbe es sicherlich einige Sünden zu beichten. Der gute Ansatz war gefunden, der Film auf einem annehmbaren Weg. Wenig Eigenes, so nah wie möglich am Spiel – so der lobenswerte Vorsatz der Verantwortlichen, ehe Hollywood an die Tür klopfte und seinen Anteil verlangte. Vom Original blieb nicht viel übrig.

In "Blood Money" war alles wie früher. Es freute mich sehr zu sehen, dass 47 auch in meiner Feiertags-Beschäftigung ganz er selbst geblieben war. Die Stimme, die innere Gelassenheit, die Intention hinter seinem Handeln: Geld! Im Übrigen ein wichtiger Punkt, der im Film viel zu selten zur Sprache kam. 47 tötet schließlich nicht zum Zeitvertreib, sondern des Geldes wegen. Wenn seine langjährige Auftraggeberin Diana ihm gesteht, dass sie beschattet wird und allenfalls noch 24 Stunden zu leben hat, antwortet er mit "Das tut mir leid. Wurde mein Honorar überwiesen?" eben so, als würde er sagen: "Schatz, es ist keine Milch mehr im Kühlschrank. Gehst du heute einkaufen?" Und sein Anliegen hat etwas von einem Paradoxon. Wozu braucht 47 Geld? Er hat keine Freizeit, keine Hobbys und, noch einmal ausdrücklich, keine Frauen! Das spart mächtig. Wohin also mit der Kohle? Darüber kann der Spieler nachdenken, wenn er den Rechner ausschaltet.

Sei es drum! Hitman-Fans, ich zähle mich übrigens nicht dazu, verzeihen diese Nachlässigkeit bestimmt. Was sie hingegen nur schwer ertragen dürften, sind die unzähligen Feuergefechte und Bombenattentate des Kinofilms. Die Spielreihe rühmte sich nämlich damit, kein Shooter im herkömmlichen Sinne zu sein. Ein Beispiel: Lautete die Aufgabe, einen Yakuza-Boss in seinem Dojo zu beseitigen, boten sich zwei Möglichkeiten. Zum einen konnte man die beiden halbautomatischen Handfeuerwaffen Marke Silverballer zücken, durch die Vordertür marschieren und die dünnen Papierwände rot anstreichen. Zum anderen, und darin bestand die eigentliche Herausforderung, war es möglich, durch den Hintereingang in die Küche zu schleichen und den giftigen Part des Kugelfisches ins Sushi zu mischen. In beiden Fällen war die Zielperson am Ende mausetot. Allein die Missionsbewertungen im Anschluss unterschieden sich von einander, je nachdem wie viel Aufmerksamkeit man auf sich gezogen hatte. Zwischen "Axtmörder" und "Geist" liegen etliche Stufen.



Eine Mission, zwei Lösungswege: Wer möchte, darf sich durch 20 Wachleute und 40 Zivilisten
schießen, um den Drogenbaron in der Hacienda zu erwischen. Profis schleichen um das
Grundstück herum und warten mit einem Scharfschützengewehr darauf, dass der sich auf
dem Balkon eine Zigarette genehmigt. Richtig, Rauchen kann tödlich sein.



Diese Idee ist an den Machern des Films spurlos vorbeigerauscht, vom "lautlosen Killer" nicht viel übrig geblieben. Dann und wann flammt ein guter Ansatz auf, mündet jedoch wieder und wieder in ein Pyrospektakel. Erschießt 47 im Film den russischen Präsidenten ungesehen aus stattlichen vier Kilometern Entfernung, sprengt er danach den Gewehrkoffer und zwei Stockwerke des Hauses, auf dem er gesessen hat. Vergiftet er gekonnt den Drink eines Opfers im Restaurant, ohne dass dies etwas davon merkt, stellt sich wenig später heraus, dass das Mittel nicht tödlich war und er mit einem Kopfschuss nachhelfen muss. Alles wirkt künstlich dramatisiert, es fehlt an Eleganz und Raffinesse. Stattdessen schleichen sich stilisierte Messerduelle in die Story. Auch deshalb ist die Diagnose des bereits angeführten Magazins Vanity Fair nur halb so dumm, wie sie im ersten Moment klingt:

"Stilistisch lassen sich die Herkunft – ein nicht sonderlich intellektuelles Ballerspiel – und die Vorbilder ("Bourne" 1 bis 3, "Leon der Profi") auch mit einer Sonnenbrille vor den Augen sofort ausmachen. Selbstverständlich regieren hier Einfalt und simplizistische Charakterzeichnung, das Tempo ist angemessen flott und lässt dankenswerterweise wenig Zeit zum Nachdenken übrig [...]" (Vanity Fair)

In der Tat: Der Film ist ziemlich flott, lässt wenig Zeit zum Nachdenken. Liebhaber von Actionstreifen begrüßen diesen Umstand, doch das hat mit der Herkunft nichts gemein. Sowohl "Contracts" als auch "Blood Money" waren von Anfang bis Ende durchspielbar, ohne auch nur einen einzigen Schuss abzufeuern. Ballerspiel ist nicht gleich Ballerspiel und "Hitman" nicht gleich "Halo". Während man dem Rezensor der Kollegen durchaus vorwerfen darf, vom Spiel nicht die leiseste Ahnung zu haben, trifft er den Nagel mit seiner Filmkritik auf den Kopf.



Ignoriert man den großen, roten Vogel am Zweiertisch im Vordergrund, lässt sich
die romantische Stimmung nahezu erfühlen. Spiel und Film vertrauen
auf derartige Lichtspiele.


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