Das Ende der DVD kommt ... nur Online ist Zukunft!?Ja, der Satz ist schon interessant, da er einige Dinge impliziert, die vielleicht für den ein oder anderen nicht wirklich eine rosige Zukunft prognostiziert: Der Vertrieb von Spielen und anderen Produkten rein über den Onlineweg. Es geht hier aber nicht darum, dass dies speziell EA Sports' Chef Peter Moore gegenüber GamesIndustry.biz äußert, sondern dass EA stellvertretend für einen immer größer werdenden Anteil von großen Publishern/Unternehmen steht, die diesen Weg nicht nur bereits begonnen haben, sondern ihn auch weiterhin beschreiten wollen. Man mag hier an MMOs denken oder die aufkommende Play-4-Free Welle. Doch das ist weit zu kurz gedacht. Es geht um nicht weniger, als die Abschaffung der DVD und den reinen Onlineverkauf. VALVE hat mit STEAM den quasi-Grundstein gelegt und gezeigt, dass dies auch im großen Rahmen funktioniert. Was erwartet uns also in der Online-Only Zukunft und was sind die Stolpersteine bis dahin? Anfänge und ChancenDer Start von STEAM war weithin diskutiert - in den Anfängen selten positiv. Dennoch hat sich der Dienst mittlerweile nicht nur als Host für eigenen Spiele, sondern auch als Verkaufsplattform für große und sehr große Publisher entwickelt. Von Call of Duty über Civilization bis hin zu Free-Games gibt es dort fast alles.Erst später sind Electronic Arts (EA Downloader/EA Store) und andere dem Pfad gefolgt, der eher früher als später zu einem Verschwinden der physikalischen Trägermedien führen soll. Aktuell eröffnete Stardock (bekannt durch den Weltraum RTS Kracher "Sins of a Solar Empire") ihr Steam-ähnliches System "IMPULSE", welches euch nicht nur Spiele kaufen lässt, sondern auch viele Communityfunktionen und Automatismen ermöglich (Spiele patchen, Savegames virtuell (!) ablegen) Mal abgesehen vom vermehrten Speicherbedarf (was die Hardwarehersteller freuen wird), hat dies rein bezogen auf den Einkauf für ungeduldige Naturen ohne ausgeprägten Sammlertrieb natürlich einige Vorteile: Direkter Zugriff, keine langen Wartezeiten, direkte Lieferung bei Bezahlung und so weiter. Man kauft vielleicht auch schneller etwas, wenn man einfacher heran kommt - wer will sich schon um eine DVD eines Hype-Spiels am Releasetag prügeln, wenn man sie auch ohne Blessuren direkt vor dem heimischen Rechern bequem herunterladen und anschließend gleich Spielen kann? Auch ist die Chance, dass die Hersteller Zeit sparen und unter Umgehung des Presswerks (ca. 4 Wochen Pre-Release) noch bis zum Tag vor dem Release mit großem Eifer Bugs in der Releaseversion ausbügeln können, zumindest ein wohliger Gedanke. Ich kaufe, also besitze ich?Die Aussage , bzw die Proklamation einer Online-Only Welt ist und bleibt dennoch pikant, gerade für ein Unternehmen wie Electronic Arts. Auch wenn die Zahlen hierbei steigen, haben sich viele Gamer noch lange nicht damit angefreundet, dass man sein Spiel nicht mehr in die Vitrine stellen, sprich greifen und anfassen kann, sondern dass nur noch der Datensatz zählt, der über den virtuellen Vertriebsweg auf die Festplatte gelangt. Auch herrschen viele Bedenken vor: Was passiert, wenn der Dienst abgeschalten wird? Sind meine Daten dann für immer weg? Könnte man einen Klassiker von 2008 noch 2020 wieder ausgraben um ihn mit Wehmut in einem Special zu beschreiben?Werden wir uns vielleicht immer mehr vom gewohnten "Ich kaufe und erhalte als Gegenwert etwas, was unbegrenzt mir gehört" verabschieden müssen? Wenn, dann wird der Begriff Spielzeit in künftigen Reviews ganz neu definiert und im Wertungsbogen ergänzt werden müssen. Das Problem ist jedoch nicht nur ein redaktionelles, sondern auch ein rechtliches: Wie viel "Recht" hat man noch an den Daten? Eine DVD kann nicht entrissen werden und noch in 10 Jahren - sofern vorhanden - in ein Laufwerk geschoben werden. Dennoch ist dies eine Überlegung, die viele Spieler und zukünftige Onlinekäufer umtreibt und die von den künftigen Online-Only Verkaufswegeanbietern in akzeptabler Form den Kunden nahe gebracht werden müssen. Eventuell über automatische Backups auf Festplatten oder ähnliche Services. Andererseits: Ein ausgeliehener Film für einen abendlichen Heim-Kinogenuss (ob per Videothek oder per Videoportal) wird auch einmalig gezahlt und dann zurück gegeben / gelöscht... Der PC ist tot, aber jeder geht OnlineNach wie vor dominiert die analoge Welt in Form Boxen und Regalverkaufsflächen jedoch noch den Schwerpunkt der großen Umsätze. Und es wird sicher auch noch eine ganze Weile so bleiben, wie Moore bestätigt. Allerdings wird sich Electronic Arts, wie viele andere, hier verstärkt um den Aufbruch bemühen: "Am Ende wird jeder Kunde online gehen. Ihr sprecht mit einem Unternehmen, das fest daran glaubt. Egal, ob es nun erst in fünf Jahren passiert". Eine durchaus optimistische Schätzung, bedenkt man das über Generationen tief verankerte Kaufverhalten nach der Geldübergabe auch einen physisch greifbaren Gegenwert zu erwarten.Wie ist die Aussicht und der Ausblick für diesen "Weg"? Wir erinnern uns: Der PC wurde in den letzten Wochen und Monaten bei jeder nur möglichen Gelegenheit tot gesagt. Und unbeachtet der Tatsache, dass die Boxverkäufe vielleicht wirklich hinter Konsole und Co zurück stehen (So genau sagt das niemand, da man verschiedene Zahlen zu Grunde legen kann), ist das Potential aus MMO-Abogebühren und Onlineverkäufe enorm und übersteigt nach verschiedentlichen Aussagen bereits den Gesamtertrag aus allen Konsolensparten. Fazit: Online wird Trumpf?Doch zurück zum reinen Verkauf.Die Aussage über die "Online-Only Vertriebszukunft", auch einbezogen aller umrahmenden Fakten, ist also folgerichtig, denn die Entwicklung zeichnet sich bereits seit langem in anderen Bereichen ab: Die Breitbandverbindungen steigen, Kompressionsmethoden werden feiner und erlauben höheren Auflösungen in kleineren Dateigrößen und auch andere Anbieter probieren sich immer mehr erfolgreich im Verteilen von z.B. Filmen oder Medien rein über das Internet. Auch wenn Services wie MaxDome oder ähnliche noch nicht in dem Maß verbreiten sind, wie die dahinterstehenden Unternehmen hoffen, vor allem weil man Entwicklungen verschlafen hat, deren Lück großflächig illegale Tauschbörsen füllten, so ist der Dienst eines DRM geschützten schnellen Filmgenusses ohne den Weg in die Videothek doch schon auf einem besseren Weg als noch vor Jahren. Hier nichts anbrennen zu lassen und in das gleiche Loch von Kino- und Musikindustrie zu fallen, ist der Wunsch der Global Player der Spieleindustrie. Auch der Handel wird hier früher oder später nachziehen, bzw hat es schon getan. Viele Ladengeschäfte verlegen sich mehr und mehr auf starke Onlinepräsenzen - als erste Stepping Stones. Sie haben bisweilen auch keine andere Wahl mehr. Moore formuliert es sehr scharf: ""Meiner Meinung nach werden sie sich anpassen oder der Kunde kommt einfach nicht mehr zu ihnen. Man sieht, wie Wal-Mart und Best Buy die Gelegenheit ergreifen und Wege finden, online mit ihren Kunden zu kommunizieren. Egal, ob es der Handel nun mag oder nicht, es wird passieren." Was dies aber im weiteren Sinn auch für Presswerke, Zulieferer und weitere Subdienstanbieter bedeutet, kann man schwer abschätzen. Allerdings muss man auch den Zeitrahmen bedenken: Solch ein fast schon epochaler Wandel geht nicht über Nacht und ist er erst einmal bekannt, angestrebt und abzusehen, hat jeder Zeit, seinen Plan zu entwerfen, damit zurecht zu kommen. Vorauseilende Beispiele wie VALVEs STEAM, Gamesload, EA Store, Impulse (Stardock) öffnen bereits langsam aber stetig den den Weg zur Akzeptanz dieser virtuellen Verkäufe für Software und Spiele. Neue Spielkonzepte wie MMOs und Kostenlos-Games verstärken den Trend im reinen Gaming Sektor und nagen an der Vorstellung von der Packung zum Spiel. Und auch wenn noch niemand absehen kann, wann der letzte Schritt getan wird und DVDs nur noch im Computermuseum ihren Platz finden, so wird immer mehr klar, dass wir uns durchaus schon in einigen Ansätzen auf gerade diesem Weg befinden. Ob dies eher eine dreispurige Autobahn oder noch lange eine Schotterpiste bleiben wird, muss sich erst erweisen.... Datum ... 22.07.2008 Kategorie ... Kolumnen Meinungen ... 8 Kommentare Weitere zugehörige Artikel · DLC - Diese leidliche Chose· Die kleine Welt der großen Spiele · Kai erobert die Hauptstadt und Station 54 – Woche 4 - Ende
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