[F7C Review] BattleForge im Test!Viele Hersteller haben sich bereits an der Symbiose von Kartenspielen wie Magic und anderen sogenannten "Trading-Card-Games" (TCG) mit einem PC-Spiel versucht. Meist endete dies in eher lieblosen und uninspirierten Umsetzungen wie Yu-Gi-Oh. Mit dem deutschen Studio EA Phenomic tritt nun ein weiteres Team in den Ring, um sich am perfekten Spagat in diesem eher schwierigen, neuen Genre zu probieren – ihr Kandidat heißt BattleForge! Spielprinzip Zunächst sucht man für ein neues Spiel meist nach einer Einstufung in ein bekanntes Genre. Dies fällt bei BattleForge nicht wirklich leicht, denn immerhin schlägt es Brücken zwischen verschiedenen Genres, die bisher nichts miteinander am Hut hatten. Die teilweise sehr unterschiedlichen Spielmechaniken machen die Einordnung auch nicht wirklich leichter. Doch was macht BattleForge so besonders, dass es sich nicht ohne größere Diskusionen in ein Genre einsortieren lässt? Dies liegt sicherlich an dem für Strategiespiele sehr ungewöhnlichen Spielstil. Im groben Kern verknüpften die Entwickler ein klassisches Strategiespiel wie Command & Conquer mit einem klassischen TCG wie Magic. Statt in den hübschen und abwechslungsreichen Missionen nun langsam eine Basis aufzubauen und Einheiten in Fabriken und Barracken zu produzieren, werden diese in BattleForge mit einem Schlag geschaffen – mit dem Klick auf eine Karte! Jeder Spieler kann sich im Spiel bestimmte Decks, also Sammlungen von Karten, zusammenbauen. Direkt vor einem Spiel wählt man dann seine Waffen – sprich: sein Deck. Die Karten können nun direkt im Spiel und ohne Bauzeit (ausgenommen einiger Gebäude) ausgespielt werden, die nötigen Ressourcen, welche in den Welten durch eingenommene Energiehubs vermehrt werden können, vorausgesetzt. Menü oder Spiel? Klingt auf Anhieb doch alles etwas ungewohnt, und so vergehen schon einige Minuten, bis man sich mit der neuen Spielmechanik angefreundet hat. Das Tutorial leistet dabei gute Dienste. Nach dem Start des Spiels findet man sich auf einer Art Karte wieder, die dem Spieler den Anschein vermittelt, bereits mitten im Spiel zu sein. Und so ist es auch. Dieser virtuelle Spielhintergrund ist eine Art Sandkasten, in dem jeder Spieler seine Einheiten, Gebäude und Zaubersprüche vor dem Einbau in seine Decks ausprobieren kann. Und dies ist bei der aktuellen Anzahl von 200 Karten verteilt auf die vier Fraktionen Feuer, Eis, Natur und Schatten auch bitter nötig. Diese spielen sich jeweils unterschiedlich und sind für unterschiedliche Spielergruppen geeignet. Aber selbst innerhalb einer Rasse ("Farbe") sind die Karten verschieden, inklusive ihrer jeweiligen Stärken und Schwächen. Von klassischen Nah- und Fernkämpfern, über Türme, Unterstützungsgebäude und -einheiten, zaubernden Einheiten, Zaubersprüchen bis hin zu gemeinen Fallen hat jede Fraktion seine Eigenheiten. Und da ein Spieler theoretisch alle vier "Farben" in einem Deck kombinieren kann, scheinen die Möglichkeiten für einen Spieler fast endlos zu sein. Sammeln, Testen, Verbessern, Testen… So entwickelt sich bereits nach kürzester Zeit die Sammelwut. Hat man sich einmal in das Spiel eingearbeitet und die groben Spielmechaniken verstanden, möchte man natürlich ständig an seinem Deck arbeiten. Mit welchen und wie vielen "Farben" statte ich mein Deck aus? Welche Grundstrategie möchte ich verfolgen – eher Towern, Early-Rush, Deffen oder doch im späteren Spielverlauf einer Partie mit den großen und teuren Einheiten die Schlacht noch für mich entscheiden? Genau solche Fragen stellt sich ein angestachelter BattleForge-Fan und verbringt schon mal einige Stunden im Sandkasten um die optimale Zusammenstellung zu finden. Mit gewonnenen Missionen im Einzelspieler, für die man leider online sein muss, erhält ein Spieler virtuelles Gold und verschiedene Upgrade-Karten. Mit diesen lassen sich die Karten um jeweils zwei Stufen aufwerten. Dadurch werden sie robuster, teilen mehr Schaden aus oder bekommen verbesserte Spezialfähigkeiten. Letztere sind im Spielverlauf sehr wichtig, da der richtige Einsatz der verschiedenen Fähigkeiten schnell über Sieg oder Niederlage entscheiden kann. Handeln und Wirtschaften Neue Karten muss sich ein Spieler entweder im Auktionshaus mit BattleForge-Punkten kaufen, in dem man selbst natürlich auch seltene nicht genutzte Karten verkaufen kann, oder durch den Erwerb von sogenannten Booster-Packs. Am Anfang hält jeder Spieler ein großzügiges Grundkontingent an Karten, sowie 3000 BF-Punkte, mit denen man im virtuellen Einkaufszentrum einige Booster-Packs erwerben, und somit sein Deck massiv verstärken kann. Nachschub an BF-Punkten gibt es leider nur gegen bares Geld. Aber dank des wie bereits erwähnten ausgiebigen Startdecks und den standardmäßigen 3000 BF-Punkten muss ein Spieler nicht unbedingt zusätzliches Geld in das Spiel investieren, um erfolgreich zu sein. Immerhin kommt man auf diesem Weg auf über dreiviertel der im Spiel verfügbaren Karten. Durch cleveren Kauf und Verkauf von Karten im Auktionshaus und der integrierten direkten Tauschfunktion zwischen den realen Mitspielern lässt sich so ohne zusätzliches Geld ein beachtliches Deck zusammenbauen. Einer für Alle – Alle für Einen? Ein gutes Deck ist wichtig, da BattleForge einen fordernden Schwierigkeitsgrad besitzt. Diesen erzeugt das Spiel durch den ständigen Zeitdruck, dem ein Spieler, egal ob im Einzel- oder Mehrspieler, ausgesetzt ist. Ständig passiert etwas und obwohl man alle Hände voll damit zu tun hat, irgendwelche gigantischen Kolosse, die plötzlich ohne Vorwarnung vor einem auftauchen, abzuwehren, zeigt die Uhr am Spielfeldrand kein Erbarmen und tickt einfach weiter! Am besten lässt man seine Wut an den Endgegnern einer Mission aus. Denn fast wie in einem RPG bzw. MMORG erwartet die Herausforderer am Ende einer Mission ein gewaltiger Endgegner, der wohl schon einige hundert Jahre lang jeden Tag fleißig ins Fitnessstudio gegangen ist, um seine Muskeln zu stählen. Eine große Stärke von BattleForge ist nicht wie viele meinen könnten der klassische Spieler-vs-Spieler oder Einzelspieler-Modus – Nein, es ist der PvE-Modus, bei dem sich viele Spieler gemeinsam in einer Mission durch unterschiedliche Aufgaben arbeiten. Diese haben unterschiedliche Auswirkungen für die anderen Mitspieler. Am Ende der Missionen treffen alle Spieler wieder zusammen, um den großen Endgegner gemeinsam in einem mehrere Minuten andauernden Kampf zur Strecke zu bringen und mächtige Upgrade-Karten als Belohnung zu erhalten. Dieser Modus lässt sich mit 2, 4 oder 12 Spieler in Angriff nehmen. Dabei handelt es sich nicht einfach um die Einzelspielermissionen. Auf jeden Mitspieler warten andere herausfordernde Aufgaben, die unter massiven Zeitdruck gelöst werden müssen. Gerade in höheren Schwierigkeitsgraden erfordert dies sehr gut abgestimmte Decks und Mitspieler, um die starken Endgegner mit ihren mächtigen Fähigkeiten zu besiegen. Spätestens hier wünscht man sich dann die ein oder andere neue Upgrade-Karte oder eben doch noch die eine epische Karte, die doch so wunderbar in das Deck passen würde, und mit der ich vor wenigen Sekunden all meine Einheiten hätte retten können. Die große Schwäche Ja, auch solche abschweifenden Gedanken stehen oft im Hintergrund der doch eher lieblosen und langweiligen Präsentation. Denn dies ist die wohl größte Schwäche des Spieles. Während alle Einheiten bis ins kleinste Detail liebevoll animiert sind und teilweise mit lustigen Soundeffekten und Sprüchen daher kommen, bleibt die Gesamtpräsentation auf der Strecke. Dies bezieht sich vor allem auf die Story. Lieblose Textbücher und kleine sprechende Avatare verschenken hier sehr viel Potential. Doch dank des schnellen Spielstils aufgrund der sofort ausspielbaren Karten und dem ständigen Zeitdruck, gerät dies eher ins Hintertreffen. Fazit BattleForge hat definitiv ein neues Genre in der Strategiewelt erfunden. Oder doch im RPG-Bereich? Oder MMORPG? Da das Spiel so viele unterschiedliche Facetten besitzt, ist mir selbst nach diesem Test nicht wirklich klar, in welches Genre ich es nun stecken soll. Das Spiel weiß von der ersten Minute zu gefallen und die Sammelwut bricht bereits nach den ersten Missionen aus – denn man könnte ja hier und dort noch sein Deck etwas verbessern. Die klare Stärke von BattleForge sind die tollen Missionen und liebevoll in Szene gesetzten Einheiten. Auch die fast nahtlose Verknüpfung von Einzel- und Mehrspieler-Modus, sowie die vielen Tausch-, Handels- und Upgrade-Möglichkeiten für das persönliche Deck geben dem Spiel eine gewaltige Langzeitmotivation mit auf den Weg. Dank des hervorragend umgesetzten Karten-Systems ist BattleForge nicht nur was für Strategen, sondern eben auch dem Magic und Yu-Gi-Oh Spieler. Die Entwickler wollen BattleForge kontinuierlich erweitern. Neben neuen kostenlosen Missionen stehen natürlich auch neue Karten auf dem Programm, sodass Spieler in Zukunft vor ständig neuen Möglichkeiten und Herausforderungen stehen werden. All diese positiven Punkte und die eben hauptsächliche Ausrichtung auf das Optimieren von Decks sowie dem PvE-Modus lässt die eher schwache Präsentation in Vergessenheit geraten. Auf jeden Fall ist der Genre-Mix BattleForge ein gelungenes Werk und auf könnte auf jeden Fall ein Anwärter auf den Titel "Spiel des Jahres" sein. Mit der Frage des richtigen Genres kann sich doch die Jury rumärgern! Datum ... 30.03.2009 Kategorie ... Spiele ... Previews und Reviews Meinungen ... 0 Kommentare Weitere zugehörige Artikel · Ein Blick zurück: American McGee's Alice· Dragon Age Legends: Einführungsguide und Erklärung der Attri... · Brink: Dies ist kein Vergleich
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