FarmVille – Wieso Landwirtschaft wieder voll im Trend liegt

Im Internet wachsen soziale Netzwerke derzeit wie Pilze aus dem Boden. Eines davon ist Facebook und dort sprießt im wahrsten Sinne des Wortes noch deutlich mehr. Seit Juni teilen User neben dem üblichen wer-macht-gerade-was-wo-mit-wem-und-warum-Informationsaustausch nämlich ein weiteres Hobby: die Landwirtschaft. Ja, richtig gelesen, die ist nämlich wieder in. Wer eh schon immer dachte, dass er es besser könne als die Damen & Herren bei "Bauer sucht Frau", der managt eben kurzerhand seinen eigenen virtuellen Bauernhof bei FarmVille.

Bereits in den ersten vier Monaten nach seinem Release verzeichnet das beliebte Online-Spiel heute schon über 60 Millionen Nutzer weltweit – Verzeihung, Landwirte natürlich – womit es das bislang beliebteste Soziales-Netzwerk-Spiel aller Zeiten ist. 59% der Gamer sind weiblich, 41% männlich und sogar die Hälfte von ihnen noch unter 25 Jahre alt. Nicht alle Stadtkinder wollen eben solche sein.

Aber was genau ist das Geheimnis des FarmVille-Erfolgs? Mark Skaggs von der US-amerikanischen Entwicklerfirma Zynga vermutet, es könne an unseren Genen liegen, dass wir ähnlich unserer Vorfahren den Drang haben, Dinge mit den eigenen Händen zu erschaffen. Mit einem entscheidenden Vorteil: Du machst dich dabei nicht schmutzig, ein paar Mausklicks erledigen die Dreckarbeit wie von Zauberhand.

Die selbst gestaltete Farmer-Figur tuckert also mit dem Traktor über deinen Hof, schert deine Schafe, pflanzt dein Gemüse an, erntet oder verkauft es weiter. Bezahlt wird mit FarmVille-Coins, von denen du ähnlich wie bei Monopoly eine gewisse Summe als Startkapital hast. Was du für das Spiel noch brauchst ist Geduld. Denn hast du dein Feld erst einmal eingesät, dauert es ab zwei Stunden bis zu vier Tagen, bis die Erdbeeren reif sind oder die (pinken) Kühe genug (Erdbeer-)Milch geben. Und wehe du bist dann nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort – sprich: auf deiner Farm –dann verwelkt dir die ganze Ernte, dein Spielgeldkonto geht leer aus und alle Plackerei war umsonst. Klingt simpel? Ist es auch.

Ursprünglich wollte ich mich aus dem Farmleben ja raushalten, doch wenn alle drüber reden, wirst du am Ende neugierig. Aus dem "nur mal ausprobieren" entwickelt sich erst ein kleiner Spieltrieb, dann gehen bald die Mittagspausen drauf und plötzlich bleibst du länger im Büro, denn die Erdbeeren werden reif und in den nächsten vier Stunden wirst du keinen PC in der Nähe haben, um schlimmere Schäden zu vermeiden… *hust* Am nächsten Morgen geht der Spaß dann gleich weiter - aufstehen, PC einschalten, den Hof versorgen und erst dann wird gefrühstückt. (Hab ich meinem Hund heute Morgen eigentlich frisches Futter hingestellt….?!)

Freunde einladen lohnt sich übrigens auch, denn je mehr Nachbarn du sammelst, desto schneller kannst du dein Anwesen ausbauen. Und Nachbarschaftshilfe wird bei FarmVille großgeschrieben: Wer dem angrenzenden Grundstück einen Besuch abstattet, spielt schon mal Vogelscheuche oder dergleichen. So sammelst du außerdem Punkte und erreichst früher höhere Level, die deinem kleinen Farmer wiederum mehr Möglichkeiten freischalten.

Ob nun Trüffelschwein oder Zitronenbaum, wenn du deinem Nachbarn eine Freude machst, bekommst du zum Dank dann vielleicht auch endlich das fehlende Stück Gartenzaun. So wundert es nicht, wenn du dich im realen Leben vielleicht abends mit deinen Freunden auf ein Bier triffst, dass sich die Gesprächsthemen rund um Viehstall und Feldarbeit drehen. Wie zu Omas besten Zeiten…

Das wird einerseits nicht langweilig und du kannst selbst mit Kumpels am anderen Ende der Welt spielen, auch wenn Kontakte möglicherweise längst eingeschlafen waren. Andererseits wächst auch der Konkurrenzkampf unter besten Freunden, denn wer hat nicht das höchste Spiellevel im Facebook-Freundeskreis zum Ziel?!

Die Firma Zynga lässt sich außerdem immer neue Ideen einfallen, um den User täglich längere Zeit ans Spiel zu binden. Vor allem Amerikaner sind ja für ihre Dekorationsfreude anlässlich Halloween bekannt, also gibt es selbstverständlich auch für die virtuellen Bauernhöfe limitierte Kürbis-Laternen, Geisterhäuser & Co. Willst du deine Farm noch etwas aufmotzen oder benötigst du mehr Benzin für deine Maschinen, musst du allerdings teilweise echtes Geld investieren, das du in so genannte FarmVille-Dollar eintauschst. 25 FV-Dollar kosten 5 US-Dollar (ca. 3,35 Euro). Jaaaa, da klingelt in San Francisco die Kasse…

Aber nicht nur das: Aktueller Clou der Zynga-Bande ist das Projekt "Sweet Seeds for Haiti". Als echte Rarität kannst du für 25 FV-Dollar Süßkartoffel-Samen erstehen, dessen Einnahmen zur Hälfte an das verarmte Land Haiti gespendet werden. Nach einmaligem Bezahlen bekommst du dann eine Woche lang endlos viel Samen zu einem günstigeren Preis von 10 FV-Coins. Die Knollen haben eine Wachstumsdauer von einem Tag, lassen sich für 125 Coins weiterverkaufen und verwelken nie. Als Dank erhält der Süßkartoffel-Anbauer eine Flagge, die auf seinem Hof anzeigt, dass er das Projekt unterstützt. Das Spiel mit dem schlechten Gewissen zieht übrigens nicht nur zur Weihnachtszeit, wenn das Geld sowieso etwas lockerer sitzt, nein!

Über 200.000 Farmer haben in nur drei Wochen für mehr als 500.000 US-Dollar Süßkartoffelsamen angepflanzt. Das sind also eine halbe Million dank einer einzigen Sorte Pflanze, die obendrauf auch bloß virtuell existiert. Respekt! Von helfender Seite betrachtet, ist das selbstverständlich eine starke Leistung. Aber dennoch: Würde allein jeder Hobby-Farmer nur einen Euro für seinen Hof ausgeben (und Zynga spendet ja nicht bei allen Einkäufen auf dem virtuellen Marktplatz) macht das momentan schon rund 60 Millionen Euro für Zynga. Das ist natürlich freiwillig, du kannst auch immer noch kostenlos spielen, was nur einfach etwas länger dauert. Aber jeden Tag kommen durch Postings auf User-Profilen neugierige Freunde hinzu, mit denen du als zukünftiger Nachbar fleißig weiterhandeln kannst. Und Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist!

Mein Fazit: Zum einen bietet FarmVille einen zielstrebigen Spielverlauf, der auf bequeme Weise angesteuert werden kann. Mit ein paar Klicks entscheiden sich die weiteren Schritte und ob der Tag auf dem Hof ein erfolgreicher sein wird. Hinzu kommt, dass Ehrgeiz und Anerkennung nicht erst seit gestern zu den Grundeigenschaften und Grundbedürfnissen der Menschen zählen. Bei FarmVille werden beide direkt angesprochen: Wer hat die meisten Tiere, den größten Hof und wie steht es mit der Ernte? Der bahnbrechende Erfolg des Spiels liegt also vermutlich darin, dass diese kleinen Erfolgserlebnisse nach "getaner Arbeit" (wie Erdbeeren pflücken oder Zäune bauen) die Spieler und Spielerinnen tagsüber sehr gut bei Laune halten. Und wenn du keine Lust mehr hast, kannst du jederzeit mit der Zockerei aufhören, oder eben später. Ganz so wie es deine Zeit erlaubt.

Apropos, das war mein Stichwort. Mein Boss meckert nämlich schon, ich solle gefälligst mit der Theorie aufhören und weiterarbeiten! Auf seiner Farm knabbern nämlich dreiste Erdhörnchen gerade die frische Saat an… sorry Leute, ich muss los!

Falls du auch noch Nachbarn für Farmville brauchst, oder das eine oder andre Tier, dann melde dich doch hier in unserem Facebook-Farmville-Thread.

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BleedMage
#1 · BleedMage · 21.10.2009 13:26
Netter Artikel.
Gamma
#2 · Gamma · 21.10.2009 13:36
Einer der besten die ich in letzter Zeit hier gelesen habe, wenn ich das mal so sagen darf und das liegt nicht ausschlieslich am Thema.
#3 · · 23.10.2009 12:35
geiles ding ... mafia wars ist ja öde aber farmville ist geil
Blub.roxx
#4 · Blub.roxx · 08.11.2009 20:27
das spiel ist echt cool, hab das letzten monat auch mal gespielt, ist nicht schlecht
GuttnDøc
#5 · GuttnDøc · 24.02.2010 17:02
Witzig so oft gehört, aber noch nie getestet...
Nachdem Bericht mus ich das mal nachholen!

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