Goblins gemeine Gaming-Glossen :: Drei Dinge, die wir bitte in Zukunft einfach bleiben lassen

Goblins gemeine Gaming-Glossen


Drei Dinge, die wir bitte in Zukunft einfach bleiben lassen



Der gegenwärtige Spielemarkt bietet eine erstaunliche Vielzahl an Möglichkeiten, uns künstlich über Vieles aufzuregen. Etliches davon wird in Userkommentaren, Foren und sonst wo immer wieder angesprochen. Für die bisher unausgesprochenen Dinge gibt es seit einigen Monaten Goblins gemeine Gaming-Glossen (Und schon konnte ich mich wieder selbst beweihräuchern! Ach, ist das nicht schön!). Doch irgendwie viel mir letztens auf, dass ich tatsächlich etwas vergessen haben. Etwas, dass die Spiele selbst ja eigentlich nicht einmal betrifft, sondern viel mehr das ganze Drumherum. Na gut, in meinem ersten Artikel "Faszination Menüsprache" nahm ich bereits einen Punkt vorweg, aber da gibt es noch eine ganze Menge anderer Dinge, die bitte ganz schnell verschwinden mögen. Hier doch einfach einmal drei davon:

Hanebüchene Übersetzungen


Das Volks-Wörterbuch
Mit dem Übersetzen ist es ja so eine Sache. Im Grunde hat jede Sprache ihre speziellen Eigenheiten, die man schwer auf eine andere übertragen kann. Ist etwas sprachlich dann auch noch in einem bestimmten Stil oder Dialekt gehalten, ist Hopfen und Malz verloren und man kann es wirklich nur irgendwie machen. Richtig oder gar allen recht machen wird man es damit nie. Das hat dann zur Folge, dass viele Leute, die des Englischen auch nur einigermaßen mächtig sind und die etwas auf sich halten, Filme, Spiele und Bücher im Original konsumieren. Leichte Abweichungen gibt es ja gar nicht mal so selten. Führt einen etwa im englischen Half Life eine weibliche Stimme in die Welt der Black Mesa ein, ist sie in der deutschen Fassung plötzlich männlich. Und Unreal Tournament 2004 bietet nur in der deutschen Fassung die wohl unfreundlichste Frauenstimme der Spielegeschichte, im englischen klingt sie so freundlich, wie wir das gewohnt sind. Dankt den Stewardessen (Politisch korrekt: Flugbegleiterinnen) dafür. Sie haben diese übertrieben freundliche Art zu reden, salonfähig gemacht, so sehr wir sie alle wohl auch an ihrem, nach zehn Jahren erhöhter Strahlenbelastung den Wolken, schrumpeligen Arsch lecken können.

So mancher Publisher versuchte schon, dem Trend, US-Fassungen zu kaufen, entgegen zu wirken. Etwa Eidos, das Deus Ex 2 monatelang professionell synchronisieren ließ. Da das leider Monate gedauert hat und das Spiel auf dem Weltmarkt schon lange verfügbar war, strengte man gar fsdaf , den Gottvater hinter diesem Spiel, an, alle Deutschen dazu anzuregen, sich das Spiel nicht vorher zu importieren, sondern es hierzulande zu kaufen. Solch ein Meisterwerk verstünde man doch nur in der Muttersprache. Man verbot den Zeitschriften gar, vor dem Erscheinen in Deutschland, Testberichte zu veröffentlichen, worüber sich der stets zu Stunk bereite Gamestar dezent hinwegsetzte. Es half aber alles nicht, das Spiel blieb kommerziell hinter den Erwartungen zurück. Nicht zuletzt, weil es im Gegensatz zu seinem Vorgänger vereinfacht und konsolengerecht gemacht wurde. Letztgenanntes ist nun einmal ein Schwerverbrechen, dass es von Käuferseite aus zu ahnden gilt, da führt kein Weg dran vorbei.

Gegen den Strom wirklich seltsamer Übersetzungen kam man aber wohl einfach nicht an. Ich denke da etwa an Battlefield 1942. Wollte man hier in der deutschen Fassung einem Spiel beitreten und der Server war bereits voll, kam nicht etwa "Der Server ist voll", sondern "Besetzt!". Dass der 2. Weltkrieg nun sicher keine saubere Sache war, ist unbestritten, aber waren seine Schlachtfelder wirklich räudige Dixi-Klos? An so etwas denke ich nämlich irgendwie, wenn ich "Besetzt!" lese. In Anbetracht dessen ist es fast erstaunlich, dass es einem nicht gelungen ist, das Wort "spawn" in "laichen" zu übersetzen, was es nämlich eigentlich bedeutet. Nein, die "Spawn Points" heißen, etwas holprig, aber völlig korrekt, "Einstiegspunkte". Es waren wohl wirklich Deutsche, die hier zu Werk waren. Dass das überall der Fall war, weiß man spätestens aus dem Setup des deutschen Pro7- und Sat1-Logofreien ICQ (Ja, eine solche Version existiert tatsächlich!). Derjenige, der das übersetzt hat, konnte zwar offenbar sehr gut deutsch, hat aber noch nie eine deutsche Version von Windows gesehen und machte aus "Put the ICQ-Icon on my desktop" doch tatsächlich "Das ICQ-Symbol auf meinen Schreibtisch stellen". Oh ja, die Blume stelle ich gleich neben meinen Age of Empires-Helm!

Zu lange, zu kurze und/oder zu wenig eindeutige Spieletitel


Durchrationalisierte
Schlachtendramatik
in Kitsch-Optik
Das Spiel Heroes of Might and Magic V hat eine lange Serientradition. Der erste Teil ist von 1996 und war eigentlich nur ein Ableger von Might and Magic, einem Rollenspiel aus den 80er-Jahren. Dieses war so verdammt erfolgreich, dass es neun Teile bekam. Da man solche Cash Cows natürlich nicht nur an einer Zitze melkt, dachte man sich, doch einfach noch ein Paar andere Spiele mit einem "Might and Magic" im Titel zu verkaufen. Ob die inhaltlich was mit dem Original, was selbst ständig andere Wege ging, zu tun hatten, war in anbetracht der zu erwartenden Geldsummen zweitrangig. Und so entwickelte man und entwickelte man. Erfolgreich oder gar qualitativ hochwertig war so gut wie gar nichts von dem, was es gab. Heroes of Might and Magic konnte nun sicher nicht jeden überzeugen, dennoch schaffte es, was Legenden, Dunkle Messiasse (die einzige Pluralform, die Word nicht ablehnte) und weiß Gott noch alles nicht zu schaffen vermochten, obwohl sie der Macht und Magie vertrauten: Es war erfolgreich und erhielt überall durchaus brauchbare Wertungen. Und so begann man hier das gleiche Spielchen und entwickelte einen Nachfolger nach dem anderen und hat inzwischen das Original Might and Magic längst überdauert. Der unrühmliche letzte Teil davon konnte nämlich im Jahr 2002 weder Presse noch Spieler überzeugen. Für Teil Fünf von Heroes of Might and Magic werden indes weiter fleißig Add-Ons zusammengezimmert.

Das war jetzt ein klein wenig Computerspielgeschichte. Ja, so etwas muss auch mal sein. Denn: Wer weiß das alles heute eigentlich noch? Wer, der heute Heroes of Might and Magic V spielt, weiß um dessen lange Geschichte? Wohl die wenigsten und noch weniger werden mal das Original Might and Magic gespielt haben? Ist dieser lange Name also noch nötig? Nein, so gesehen ist er es nicht mehr, da sich der einstige Ableger längst emanzipiert hat und eine Oase in der Wüste der langwierigen Rundentaktik ist (Ich mag das Spiel übrigens trotz seines fürchterlichen Grafikstils, wohl mangels Alternativen!). Der Name wird doch nur aus einem Zweck noch beibehalten: Das Markendenken der Menschen, was uns die Industrie in den letzten Jahrzehnten mit Adidas-Logos mühsam eingetrichtert hat. Weil "Heroes of Might and Magic" drauf steht, neigen wir schneller dazu, es zu kaufen, als wir es bei anderen Titeln dieses Genres tun würden (Oder kennt ihr jemanden, der Shattered Union gespielt hat?).

Dieser Name ist aber absolut grauselig, lasst euch das mal auf der Zunge zergehen: Heroes of Might and Magic V. Sprecht das mal mehrmals ganz schnell hintereinander ohne Versprecher aus. Das klappt nicht, glaubt es mir. Davon, dass wir diesen Titel in Foren und Kommentaren wohl auch noch komplett ausschreiben sollen, mal ganz abgesehen. Und was machen wir deswegen? Genau, wir kürzen ab und nennen das Spiel dann wahlweise HoMM oder Heroes. Ersteres klingt einfach nur bescheuert und letzteres ist, wenn man bei Google auf der Suche nach einer Problemlösung in der Kampagne (Keine Seltenheit!) ist, nicht unproblematisch. Denn beides kann man als Seitenbetreiber nur schwerlich benutzen. Muss also nicht der ganze Name herhalten, gibt es nur eines der beiden Kürzel und folglich muss man immer beide suchen. HoMM findet man dabei noch, Heroes ist aber ein viel zu allgemeines Wort, das findet man in sonst welchen Zusammenhängen, die ebenfalls mit den sonstigen Wörtern, die man eingegeben hat, genannt werden. Und genau das ist auch immer ein Problem. Kennt ihr das Spiel Chrome? Das ist 1. Ein Spiel, in dem man böse Großkonzerne bekämpft und wohl von einem Entwickler, der keine Publisher mag und 2. Ein Spiel, in dem man um das Chrome kämpft. Dies ist ein mystischer Rohstoff, im Spiel, nicht in der Wirklichkeit. In Wirklichkeit ist es das englische Wort für Chrom, ein Metall. Und weil der Name so toll klingt, tragen ihn etliche Produkte: Autos, Rasierapparate etc. pp. Und genau die findet man, wenn man einen irgendetwas für dieses Spiel will. Solche allgemeinen Titel braucht kein Mensch, genauso wenig aber so lange Titel, wie Heroes of Might and Magic. Gibt es nicht einen Mittelweg?

Was in den Ablegern von Heroes of Might and Magic im Titel immer enthalten ist, ist eine römische Zahl. Das hat einen ganz einfachen Grund: Sie sieht einfach bei weitem besser aus, als der arabische Pendant und passt natürlich auch gut zu einem Spiel, das im Fantasy-Mittelalter spielt. Für Google-Suchanfragen ist das aber ebenfalls nicht gerade förderlich. Denn dadurch findet man im Netz auch ständig mehrere Möglichkeiten: Die römische V oder die lateinische 5. Und so darf man für die einfachsten Sachen ständig mehrere Suchanfragen stellen. Kann man so etwas nun wirklich nicht einmal bleiben lassen?

Handbücher, die irgendwie keine sind


Geil, ordentlich Brennmaterial
Hat jemand unter denen von euch schon einmal versucht, anhand des Handbuchs, ähm, Operation Manuals von C&C Renegade das Spielprinzip zu verstehen? Habt ihr es denn dann verstanden? Nein? Das könnte daran liegen, dass hier irgendein sehr interessantes Spiel beschrieben wird, das doch tatsächlich so aussieht, wie Renegade, sich aber irgendwie ganz anders zu spielen scheint. Davon, dass man Landeboote der GDI betreten kann, ist hier etwa die Rede. (Zumindest werden sie unter Fahrzeugen aufgelistet, als gehörten sie zum normalen Fuhrpark) Oder aber von spielerisch völlig irrelevanten Dienstgraden. Auch heißt es von einigen Waffen, es gäbe sie nicht im Einzelspielermodus. Schade, dass man sich mit manchen von ihnen dennoch durch die Endlevel schießen konnte. Irgendwie fragt man sich schon, ob derjenige, der das geschrieben hat, das zugehörige Spiel jemals ausprobieren konnte. Dann wäre ihm sicher aufgefallen, was er hier eigentlich fabriziert.

Mit Waffenbeschreibungen ist das sowieso so eine Sache. Muss wirklich bei jedem Sturmgewehr noch stehen, wie es funktioniert? Und dass ein Raketenwerfer Raketen verschießt, sollte nun wirklich jedem klar sein. Platz für Problemlösungen durch den Entwicklern bekannte Bugs bleibt dabei natürlich keiner. Vielmehr warnt man uns vor Photosensitiven Anfällen, die nicht mehr Epilepsie genannt werden dürfen (oder?) und dankt oder gratuliert uns gar zu Kauf dieses wunderbaren Produktes, von dem alle so begeistert sind.

Und noch witziger (und um zu Punkt 1 zurück zu kommen) ist es, wenn das Handbuch von jemand anders übersetzt wurde, als das Spiel und dann Dinge plötzlich anders heißen. Im Spiel XIII hießen die unsäglichen Checkpoints, an denen ein der Quickload zurück warf, wenn man dran gedacht hatte, Quicksave zu drücken (Dieses Speichersystem war aber auch dermaßen hirnrissig…) auch im deutschen Spiel Checkpoints. Das ist ein aus dem Motorsport bekannter Ausdruck, den nun wirklich jeder heutzutage kennt. Das sah der Übersetzer des Handbuchs aber anders und machte kurzum Checkpunkt draus. Ein Sprach-Mischmasch sondergleichen. Dabei ist das ja nicht einmal so schlimm, richtig übel wird es, wenn man sich bei Einheitennamen von Strategiespielen uneinig war und sie nicht nur in Handbuch und Spiel anders heißen, sondern auch nur innerhalb des Handbuchs. Wohl, weil das Wort einfach jedes Mal wieder nachgeschaut und übersetzt wurde. Oder weil es stilistisch eben besser ist, unterschiedliche Begriffe für die gleiche Sache zu verwenden. Ich will hier jetzt ausnahmsweise einmal keine Namen nennen, ich sage nur: Liebe Publisher, bitte, lasst es bleiben. Lasst jemanden das Handbuch schreiben und übersetzen, der das Spiel auch kennt. So schlimm kann das doch nicht sein...
#1 · · 15.01.2009 23:11
Es werden sowieso immer Leute an Dinge gesetzt, die keine Ahnung davon haben und sich aus Faulheit nicht mal bemühen diese Aufgabe dann auch ordentlich zu erledigen (weil sie auch keine Ahnung haben wollen).

Ein elementares Problem, welches jeder mindestens dann zum ersten Mal in seinem Leben zu spüren bekommen hat, als in der Schule hieß: Gruppenarbeit.
dasppferd
#2 · dasppferd · 15.01.2009 23:24
Ich bin fan von der Gamestar,aber beim "worüber sich die stets zu stunk bereite Gamestar dezent hinwegsetzte"hab ich voll den lachflash bekommen
,
Neteye
#3 · Neteye · 16.01.2009 07:22
Das beste Handbuch ever war eh das von KKND. Die Einheitenbeschreibungen waren einfach göttlich.

Bei Übersetzungen und ähnlichem wären ja auch die Heiltränke etc. bei oblivion nett gewesen, die waren ja auch nur komische abkürzungen, die keiner verstanden hat, also auch fast wieder eine Fremdsprache^^
BleedMage
#4 · BleedMage · 16.01.2009 07:59
Wer braucht heute schon noch Handbücher?^^
Narthanael
#5 · Narthanael · 16.01.2009 13:37
Wie wärs denn mal, wenn man Handbücher von der Community Überprüfen lässt?

Dann werden Fhler gefunden und mögliche Änderungsmöglichkeiten gefunden.
scriptkiddie
#6 · scriptkiddie · 16.01.2009 15:05
Ich glaube, die Verkaufschancen für ein 1337 - Deutsch; Deutsch - 1337 Wörterbuch wären nichtmal so schlecht^^
jarafi
#7 · jarafi · 16.01.2009 18:40
ICh kann auch ein englisches Handbuch lesen, da ich aber alles immer durch probieren herausfinde, ises eh egal.
Sehr nett geschrieben mal wieder

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