Goblins gemeine Gaming-Glossen :: Immer zitierfähigGoblins gemeine Gaming-Glossen
Immer zitierfähig"Vielleicht habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt… Ich sagte ‚bitte’, als ich eigentlich ‚sofort’ meinte…!" Ist dieser Spruch nicht einfach nur mal hammergeil? Ich weiß, ich gleite jetzt ins Umgangssprachliche ab, aber um es gleich noch einmal umgangssprachlich auszudrücken: Ja, is’ so! (Ich weiß, dass ‚is’ so’ nach Sebastian Sick die Abkürzung für ‚Ich schrei’ sonst!’ ist…) Jeglicher Widerstand wird auf diese Weise gebrochen, dem Gegenüber sind die Machtverhältnisse nun bewusst. Man kann ihm in niemals enden wollender Selbstherrlichkeit dabei zuschauen, wie es sich fügt. Da ist der Tag doch gleich gerettet. Autorität zu haben ist schon etwas Feines. Woher dieser Spruch stammt? Nun ja, kaum einer würde es wohl vermuten, aber er stammt aus Dawn of War. Inquisitor Toth möchte solch Abschaum, wie einen General der Imperialen Garde nicht bei einem Führungsgespräch dabei haben und schickt ihn weg. Als dieser dann den gar unglaublichen Frevel begeht, zu widersprechen kommt dieser Ausspruch. Und was passiert? Der nichtswürdige General verschwindet, ohne noch einen Mucks von sich zu geben. Hier findet sich doch der beste Beweis, dass man sich Computerspiele doch hin und wieder zum Vorbild für das reale Leben machen sollte. Ich habe nämlich diese beiden Sätze (wie ich gestehen muss eher scherzhaft, als hätte ich Autorität…) einmal verwendet und niemand hat den geringsten Verdacht geschöpft. Ich wurde gefragt, woher das kommt. Doch statt zu behaupten, dass das von mir käme (Was sie mir zwar ohne Zweifel nicht geglaubt hätten, womit ich mich aber als Held hätte profilieren können.) sagte ich die Wahrheit: Nämlich, dass es aus einem Computerspiel kommt. Sofort war das Staunen groß. Tja, auch die Unkenntnis von Computerspiel-Zitaten kann als Bildungslücke angesehen werden. Denn wie viel Goethe muss man sich angetan haben, um eine Aussage zu finden, die man auch nur ansatzweise im Leben verwenden kann? (Na gut, ‚Der Kasus macht mich lachen’ ist immer schön, von ‚Hiermit überbringe ich Ihnen untertänigst das von Ihnen gewünschte Todesurteil’ in einem seiner Briefe mal ganz abgesehen…) Computerspiele konsumiert man hingegen einfach so und bekommt wieder und wieder schöne Sprüche vorgesetzt. Natürlich wollen die dosiert eingesetzt werden und es darf nicht zu offensichtlich sein, woher es kommt. Sonst gilt man nämlich nicht als eloquent und gebildet, sondern ganz schnell als Freak. (Wobei, "gilt" ist ja nett gesagt, man ist es ja…) Dabei gehört das dauernde Runterzitieren von Einheitensprüchen, wenn man sich mit einem Kenner über ein Strategiepiel doch wohl nun eindeutig dazu. Oder habt ihr noch nie Einheiten immer wieder nur angeklickt, um zu hören, wie sie die gegenwärtige Situation oder ihren Platz in dieser Welt kommentiert? Na also. Natürlich habt ihr das. Ich kenne euch doch. Allein in Yuris Rache, da kann man doch gar nicht widerstehen. Wenn ein kleines UFO, mit dem man dem Gegner Geld wegnehmen kann einen mit "Wir nehmen Spenden an!" begrüßt, kann es doch besser gar nicht mehr werden. Doch, eigentlich schon, wenn es dann beim Geldklau-Befehl völlig trocken zu bedenken gibt: "Ich möchte Geld abheben, von ihrem Konto!" So geht es in diesem Spiel laufend. Man fragt sich stellenweise ernsthaft, wer sich das eigentlich ausgedacht hat und in welchem Zustand er dabei gewesen sein mag. Brainstorming wird es wohl kaum gewesen sein, vermutlich eher Alkohol. Die Frage, die dann logischerweise folgt: Was mag der Sprecher eigentlich gedacht haben, als ihm angewiesen wurde, das sagen zu müssen? Dabei muss ja nicht mal besonders viel dahinter stecken. Bei Age of Empires 1 beschränkte man sich damals auf Gebrabbel, das irgendwie klang, wie "Aye, Sir!". Na gut, darüber unterhielt man sich in Spielpausen nicht. Schon eher über den Priestergesang. Ein lästiges Feature des Spiels war es nämlich, dass man gegnerische Einheiten dazu überreden konnte, zu einem überzulaufen. Damit sich der Gegner dann aber auch ja richtig schön darüber aufregt, kam irgendjemand auf die Idee, diesen seltsamen Beschwörungs-Gesang einzuführen. Einer, der in Kombination mit der Tröte, die erklang, wenn man angegriffen wurde und dem subtilen Knistern, wenn ein Schiff brannte, dazu gedacht war, den gutmütigsten Menschen in den Wahnsinn zu treiben. In Teil 2 ging man dann einen Schritt weiter und ließ die Einheiten in ihrer Landessprache Wörter sagen, die man im Wörterbuch eben so gefunden hatte. Und so sagt einem ein deutscher Dorfbewohner, wenn man ihn etwas reparieren lässt "Zimmermann" und wenn er einen Baum fällen muss "Holzer!". In C&C hat indes der Abstieg Einzug gehalten, lediglich einige Nod-Einheiten beweisen noch einen gewissen Humor. Etwa, wenn der Sammler mit fanatischer Stimme kommentiert "Dieses wunderbare leuchten…!". Und so macht man indirekt einen Glanzmoment kaputt, den es gibt, wenn man gerade nicht spielt. Das Gemeinschaftsgefühl, das entsteht, wenn man sich plötzlich mit einem Wildfremden Einheitenkommentare an den Kopf werfen kann, womit man logischerweise als Freak abgestempelt ist. Als würde einen das dann noch stören. Doch natürlich beschränkt es sich mit den Aussagen nicht auf die Echtzeitstrategie. Mit dem zickig ausgesprochenen Satz "I can’t carry anymore" vermochte sich Diablo neben seinem Feature, systematischer geistiger Unterforderung, endgültig ins Abseits zu befördern. Wer hätte das noch für möglich gehalten. Und woran denkt ihr zuerst, wenn ihr an Bioshock denkt? An das Grammophon, das in der Ecke lustig "Somewhere Beyond the Sea" dudelte, während ihr einen grausigen Mord nach dem anderen begingt? Ja gut, daran auch, aber am ehesten denkt man auch an "Wärst du so freundlich…" (Would you kindly). Wärst du so freundlich, dir ne Rohrzange oder etwas Ähnliches zu besorgen? Wärst du so freundlich, den Scheißkerl endlich umzulegen??? Wer weiß, was hinter diesem Satzbestandteil steckt, muss sich darüber im klaren sein, wie leicht man jemanden mit ihm demütigen kann, ohne, dass er es merkt. "Ey Chef, wärst du so freundlich mir eine Gehaltserhöhung zu geben?" oder natürlich "Ey Lehrer, wärst du so freundlich, früher Schluss zu machen?". Wie schade, dass diese Formulierung an sich schon einen solch zynischen Beiklang hat, sonst würde sie wohl wunderbar funktionieren. Eine interessante philosophische Frage ist bei Ego-Shootern natürlich immer: Hätte ich nicht bessere letzte Worte gewählt? Vom simplen "Weisen Sie sich aus" (Jedi Knight 2), über "Jetzt steckste ganz schön in der Klemme, was?" (No One Lives Forever) bis hin zu "Hör auf zu labern, HÖR AUF!!!" (Chaser) reicht die Spanne. Doch meistens hilft sie einem nicht gerade, das abschießen, ähm, den schweren Kampf ernster zu nehmen. Man fängt eher langsam an, an die Reinkarnation so glauben und zu hoffen, dass die Seele getöteter Feinde einen intelligenteren Körper finden möge. Sich ewig wiederholende und dann auch gerne mal schlecht gesprochene Phrasen machen sich ohne hin immer sehr gut. Ich denke da an dieses "Etwas ist auf dem Dach" – "Heeiiligeee Scheeiiißßeee" in Aliens vs Predator 2 oder "Hier, nimm!" von der Mitstreiterin aus XIII. Was schon beim ersten Mal komisch klingt, wird dann doch nur von Mal zu Mal grotesker. Überhaupt scheint man manchmal nicht darüber nachzudenken, dass ein Spieler einen Satz möglicherweise öfter hören muss. Wenn er wiederholt scheitert etwa. Diese demütigenden unabbrechbaren Zwischensequenzen, kombiniert mit einem Speichersystem a la Konsole. Irgendwann flucht man nur noch laut und verwünscht denjenigen, der sich das ausgedacht haben mag. Nicht, dass wir nicht auf ewige Wiederholungen gleicher Sätze stehen würden (Siehe Beispiel Strategiespiel), aber doch bitte nur, wenn wir uns das selbst aussuchen können. Ich kriege ja allein schon wieder einen mittelschweren Tobsuchtsanfall denke, wenn ich in meinem Kopf höre, wie der Held aus Far Cry bei jedem Scheitern und Neuladen wieder sagt "Die andere Seite der Insel? Sie haben mich wohl nur hier her gebracht, damit ich ein paar Kalorien verliere!" Solche Witze sind in meiner Gegenwart eigentlich grundsätzlich kostenpflichtig! Leider gehört es aber dazu. Spielt man nämlich alte Spiele, in denen es so etwas noch nicht oder nur sehr selten gab, bemerkt man plötzlich schnell, wie einsam man eigentlich ist. Dass man dieses Spiel spielen muss, weil man niemanden hat. Das ewige Gehetze durch langweilige Gänge und nie sagt jemand ein Wort. Das ist, als würde man zu REWE gehen und keine Musik im Hintergrund hören, angereichert mit geistreichen Dialogen. Zwei Jugendliche(!): "Denkst du auch an die Zeit nach der Schule?" "Nach der Schule" "Mit einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei REWE" "Mit vielen tollen Karrieremöglichkeiten!" (Ja, die letzten beiden Aussagen stammen von zwei verschiedenen Personen, von denen die eine doch eigentlich unwissend war!). Es ist in jedem Falle irgendwie unheimlich. Ich bin sicher, FEAR wäre doppelt so gruselig, wenn man nicht ständig über Funk zugetextet werden würde. Aber lassen wir das. Gelaber, ohne wenn und aber (Das reimt sich sogar!), muss einfach so. Punkt. Ende. Basta. PS: Aus unerfindlichen Gründen ist es mir doch tatsächlich gelungen, dieses herrlich penetrante "Hilfe, bitte helft mir! (Pause) Irgendjemand, egal wer!", was man an irgendeiner Stelle bei Renegade immer wieder ins Ohr gebrüllt bekommt, unterzubringen. Ich entschuldige mich hiermit aufrichtig dafür. So etwas darf nicht vorkommen! ![]() Datum ... 28.01.2009 Kategorie ... Kolumnen Meinungen ... 8 Kommentare Weitere zugehörige Artikel · DLC - Diese leidliche Chose· Die kleine Welt der großen Spiele · Kai erobert die Hauptstadt und Station 54 – Woche 4 - Ende
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