Software-Kolumne: Windows 7 ohne Webbrowser in Europa?

In den letzten Wochen zeigten sich die sogenannten Kartell-Wächter der EU mal wieder sehr aktiv, um erfolgreichen Unternehmen vorschreiben zu wollen, was sie zu tun und zu lassen haben. Ein beliebtes Ziel ist dabei Microsoft mit ihrem sehr erfolgreichen Betriebssystem Windows. Aktuell gefällt es den Kartell-Wächtern der Europäischen Union überhaupt nicht, dass bei Windows der Internet Explorer frei Haus und vorinstalliert mitgeliefert wird. Man solle in Redmond doch lieber mehrere Browser ab Haus zur Installation bereit stellen. Doch nun schlägt Microsoft zurück und verkündete trocken, dass man dann doch lieber komplett auf die Auslieferung des kommenden Windows 7 mit Internet Explorer verzichten will.

Und so soll es nach dem Stand heutiger Dinge im Herbst so aussehen, dass Kunden in Europa im Einzelhandel nur Versionen von Windows 7 erwerben können, die ohne Internet Explorer daher kommen. Dieser lässt sich zwar via Update nachinstallieren, doch dürfte für die meisten Privatanwender das Chaos perfekt sein. Denn der Großteil der Benutzer kümmert sich überhaupt nicht um den von Opera ausgerufenen Browserkrieg. Zumal ein weiterer Vertreter dieser Initiative Google mit ihrem neuen Browser Chrome ist. Beide haben zusammen einen weltweiten Marktanteil, der sich gerade so in ganzen Prozent ausdrücken lässt. Mozilla hält sich in dieser großen Debatte eher zurück - Marktanteil über 20%!

Insgesamt nutzen rund 25% aller Menschen einen anderen Browser als den Internet Explorer. Doch was ist mit den restlichen 75%? Vielen ist es einfach wirklich egal, was sie zur Darstellung des Internets nutzen - es soll einfach funktionieren! Und das tut es mit dem Internet Explorer ja - und Privatanwender kümmern sich nicht um irgendwelche ACID-Tests! Doch es gibt einen gewaltigen Anteil, der meist komplett außer Acht gelassen wird. Firmen! Hier wird die IT-Welt von Administratoren, Finanzbuchhaltern und Sicherheitsrichtlinien bestimmt. Und das Letzte ist genau der Punkt. So unglaublich es klingt, aber Studien haben gezeigt, dass die offenen Browser wie Opera und Firefox größere Sicherheitsrisiken darstellen, als es der Internet Explorer tut. Außerdem lasse sich der IE im Zusammenspiel mit dem Microsoft-Betriebssystem deutlich besser Warten, weshalb der IE in Firmennetzwerken noch immer die unangefochtene Nummer Eins ist und wohl auch bleiben wird.

In der EU wertet man diesen Browserkrieg viel zu hoch. Denn den normalen Nutzer geht es wie oben schon erwähnt nur um die einfache Darstellung des Internets. Muss der führende TV-Hersteller dann bald dem Kunden die Wahl lassen, ob er beim Kauf eines TV-Gerätes die Standard-Fernbedienung möchte, oder doch die anderen 20 verschiedenen Modelle der Mitbewerber? Oder beim nächsten Autokauf fragt sie der Verkäufer dann bei allen Extras, die nicht zum Betrieb des Autos von Nöten sind, ob sie beim Standardteil bleiben möchten oder nicht doch lieber die Klimaanlage, Innenbeleuchtung, Audiosystem, Navigationssystem, Stoffe, Innenraumdesign oder Bordcomputer der verschiedenen Konkurrenzfirmen eingebaut haben wollen?! Dass eine Bestellung sich wohl dann zu einer Wochenaufgabe mausert, lassen wir dabei mal außen vor.

Und was passiert eigentlich, wenn sich der Rummel um den Internet Explorer gelegt hat? Ist dann der Datei-Explorer dran, oder das Notepad, Paint, Brennprogramm, Sicherheits-Suite, Foto-Programm? Wird dann Windows 8 auf einer BlueRay-Disk daher kommen mit einer Installationsgröße von 50GB? Denn immerhin wird man ja im Vorfeld der Installation durch 20 verschiedene Dialoge geführt, in denen man zwischen 5 Foto-Programmen, 10 Sicherheits-Suits, 5 Browsern und zahlreichen anderen Anwendungen wählen muss. So wird also die Installation eines Betriebssystems bald eine Tagesaufgabe. Von den ganzen Sicherheitsrisiken, die durch die zahlreichen verschiedenen und teilweise als Hobby-Projekte betriebenen Programme entstehen werden, reden wir erst gar nicht.

Aber die EU meint es ja nur gut mit uns, und will auch nur das Beste für all ihre braven Mitbürger. Und was möchte die brave Masse? Ach ja, einfach nur Internetseiten darstellen können, und das ohne irgendwelche Nachinstallationen, FTP-Downloads oder sonstigem Getrickste - Naja, ein Nutzer wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben. Zwar dürfen OEM-Partner sich aussuchen, was sie ihrem Betriebssystem als Browser beilegen, doch dürften sich die meisten Microsoft-Partner für den Internet-Explorer entscheiden. Immerhin möchte man den großen Freund aus Redmond nicht unnötig verärgern, gerade wo Windows 7 als ähnlicher Meilenstein wie damals Windows XP gilt. Und vielleicht ist Windows 7 auch das letzte Windows, welches auf einer einzigen DVD Platz finden wird! Und wenn wir mal ganz ehrlich sind - Ist der Internet Explorer nicht fester Teil von diesem Gesamtpaket, welches sich weltweit so erfolgreich zum führenden Betriebssystem etabliert hat?

CipherZero
#1 · CipherZero · 14.06.2009 19:45
interessant, wie soll ich mir dann Opera downloaden ?
Hummel-o-War
#2 · Hummel-o-War · 14.06.2009 21:31
Gute Frage: Ohne Internetexplorer dürfte es für die meisten unmöglich sein, überhaupt schnell und unkompliziert ins Internet zu gelangen. Nicht jeder hat für den Fall des Falles mal ein paar Alternativ-Browserdateien auf dem Rechner. Bei "neu" ausgelieferten fällt die Option gänzlich flach.

Dass man eigentlich nur über das Windowsupdate den IE nachinstallieren muss um damit dann andere Browser herunterzuladen - das ist vielleicht uns logisch. Aber was ist mit den ganzen Leuten, die nicht installieren, sondern nur "nutzen"?

Die stehen dann sprichwörtlich wie der Ochs vorm Berg. Wenn man kein Admin-Konto nutzen kann bzw. keine Ahnung hat, wie man Windows manuell updatet (bzw. dort einzelne Programme nachinstalliert), hat man keine Chance.

Ich seh schon die Beschwerden gegen MS rollen ^^

Ein schönes Beispiel, wie der durchaus legitime und zu befürwortenden Ansatz, Monopole zu brechen einfach noch mehr Probleme für die große Masse der reinen Nutzer macht.

scriptkiddie
#3 · scriptkiddie · 14.06.2009 22:54
Ich mag den IE zwar nicht, aber was soll das?!
Hat die EU wirklich nichts zu tun?
DarkSith
#4 · DarkSith · 15.06.2009 11:32
Mal angenommen, ich habe einen neuen PC gekauft und habe noch einen Router (z.B. NetGear)... wie soll ich den Router ohne Browser konfigurieren, um ins Internet zu kommen?

GuttnDøc
#5 · GuttnDøc · 15.01.2010 14:35
Mann hätte sich einfach darauf einigen können auf dem Desktop eine Auswahl der häufig benutzen Browser anzuzeigen, wo dann der User wählen und fix nachinstallieren kann...

Erinnere mich da an früher, wo man eine Shortcut- Liste von ISP´s hatte wie AOL und Co.

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