Unser Review zur PC-Version von FIFA 09


Überglücklich im Besitz der Presseausgabe des kommenden FIFA 09 nahmen wir uns die Zeit und testeten die PC-Version der Fußball-Simulation in aufgeregter Vorfreude auf die neuen Features und die überarbeitete Grafik bis die Finger rauchten. Ob das Spiel tatsächlich hält, was Bild und Ton seit Wochen proklamieren, verraten wir euch in diesem ausführlichen Review. Bei uns erfahrt ihr ebenfalls, was sich wirklich verändert hat, wo noch immer Nachholbedarf besteht und ob es sich tatsächlich lohnt, schon wieder 50 Euro auszugeben.


1. Die Grafik: Schöner als je zuvor!

Für Konsolenspieler schon seit einem Jahr attraktiver Alltag, haut die neue Grafik von FIFA 09 alle PC-Liebhaber mit Sicherheit aus den Socken. Die erwähnenswerte Voraussetzung: Shader-Einstellungen auf höchster Stufe. Mit ihnen steht und fällt der optische Hochgenuss und nur ein kleiner Schritt zurück, um die betagte Grafikkarte ein wenig zu entlasten, katapultiert das modische Äußere zurück ins finstere Mittelalter. Die Next Gen-Anpassung der Computer-Version war längst überfällig und Electronic Arts tat gut daran, das Bittflehen der lechzenden Community endlich zu erhören. Zur Belohnung darf man dieses Jahr bedenkenlos jede noch so kleine Andeutung seitens der Kritiker, man würde im Grunde genommen nur das aufpolierte Spiel des Vorjahres vermarkten, selbstsicher belächeln.

Wer einen Rechner sein Eigen nennt und seit einigen Jährchen unter dem Vorwand, es hätte sich nicht genug getan, FIFA-Spiele ausgespart hat, wird dieses Mal eine andere Ausrede bequemen müssen. FIFA 09 wirkt saftig, haarscharf und überaus ansprechend. Selbst wer die Shader nicht bis zum Anschlag hochschrauben kann, findet ein Spiel vor, das das grafische Niveau von FIFA 08 mit Leichtigkeit erreicht. Es hat sich seit der Anfang September erschienenen Demo also doch noch einiges getan. Damals wirkte der Rasen vor allem bei sonnigem Wetter und im Flutlicht grell und unecht, wenn man die Shader nicht auf volle Stufe stellte. Mittlerweile erreichen die Spielplätze auch ohne diese leistungsintensive Option den optischen Anspruch des Vorgängers. Das Grün wirkt realistischer und entspannt die Augen wie eine Schultafel.



Ob eine Meute "Juve"-Spieler, Milans Superstar Kaká oder Inters Recken
beim Feiern, alles wirkt so detailliert.


Besonders auffällig wirken die überarbeiteten Spielermodelle, die jetzt idiotensicher den Star zeigen, der sich auch in Wirklichkeit hinter dem Namen auf dem Trikot verbirgt. Wirkten Ballack, Frings und Lehmann vor einem Jahr in Animation und Detailreichtum noch reichlich unterentwickelt, sind Verwechslungen inzwischen ausgeschlossen. Selbst auf niedrigen Details bleiben die Spieler bei Jubelposen oder beim Lamentieren über Karten prima zu erkennen. Gleiches gilt für die Wiederholungen nach Torschüssen und Treffern, die in FIFA 08 geradezu verschwommen schienen. Nicht so in FIFA 09.

Fragwürdig dagegen die Lichtverhältnisse bei Abend- und Nachtspielen. So unglaublich echt das Stadion im Tageslicht aussieht - auch wenn die Zuschauer dieses Jahr noch nicht Konsolenstandard erreichen - so sehr scheinen Spiele bei künstlicher Beleuchtung einfach ein bisschen zu dunkel. Das war bereits nach den ersten Screenshots Anfang des Sommers zu erahnen. Moderne Flutlichtmasten werfen hingegen ein äußerst helles Licht, das das ganze Spielfeld gleichmäßig beleuchten sollte ...



Im Dunkeln ist gut munkeln, aber auch gut fußballspielen ...?


2. Das Gameplay: Schlängeln oder drängeln?

Mit der neuen Grafik-Engine wandelte sich ebenfalls das Gameplay und zwar merkbar. Spieler steuern sich vor allem mit dem Ball am Fuß anders als noch in FIFA 08, das runde Leder selbst verhält sich realistischer. Dabei spielt natürlich auch das neue Feature, das Spieler ihren Stärken und Schwächen entsprechend in Zweikämpfe gehen lässt, eine entscheidende Rolle.

Mir fiel dies insbesondere im Umgang mit den Akteuren auf, die einen sehr markanten Spielstil verfolgen. Didier Drogba, der stämmige Mittelstürmer des FC Chelsea, ist im Eins gegen Eins nur schwer vom Ball zu trennen. Allerdings nicht, weil er das Runde so eng am Fuß zu führen vermag, sondern weil jeder Körpereinsatz der Gegenspieler Drogba nicht einmal ins Taumeln bringt. Damit ist er im direkten Zweikampf ein richtig gefährlicher Stürmer. Sobald ein zweiter Abwehrspieler hinzukommt, der nicht den eigenen Körper einsetzen muss, um Drogba vom Ball zu trennen, sondern einfach den Augenblick abpasst, in dem er sich auf den anderen konzentriert, zeigt sich der Mann von der Elfenbeinküste sichtlich überfordert. Plötzlich fehlt ihm die Agilität und Schnelligkeit, beide zu vernaschen.

Ronaldinho hingegen - neuerdings im Kader meines letztjährigen Lieblingsclubs, des AC Milans - reagiert auf Rangeleien völlig anders. Er lässt es erst gar nicht auf ein Kräftemessen ankommen, sondern versucht, dem Gegenspieler auch mit dem Oberkörper auszuweichen und wie eine Klette am Ball zu bleiben. Das macht ihn nicht nur im Eins gegen Eins äußerst hartnäckig; seine Stärke entfaltet sich erst richtig, wenn er von mehreren Spielern umringt ist. Dadurch, dass der Brasilianer sich nicht auf Kollisionen mit Gegenspielern einlässt, sich immer wieder an ihnen vorbeischlängelt und dabei das Leder eng am Fuß behält, kann er auch zwei oder drei Mann zum Narren halten. Eine Fähigkeit, die ihn vor allem gegen den Computer auf Schwierigkeitsstufe "Halb-Profi" geradezu übermächtig erscheinen lässt. Das relativiert sich mit steigendem Schwierigkeitsgrad allerdings rasch.

Neue Spielereien, wie das Abschirmen des Balles mithilfe des eigenen Körpers, sind jedoch nicht mehr als solche. Beim Tanz an der Eckfahne vielleicht ganz nützlich, aber im schnellen, modernen Fußball allenfalls zweitrangig.


2.1. Die Steuerung: Lieber so oder so oder doch lieber so?

Die Steuerung von FIFA 09 ist äußerst vielseitig und sollte für jeden Spielertyp etwas bereithalten. Diejenigen, die bereits im Vorgänger mit dem Gamepad zu Felde zogen, werden nur nebensächliche Veränderungen bemerken. Tastatur-Fans finden allerdings eine gänzlich neue Tastenbelegung vor, die zwar frei konfigurierbar ist, allerdings nicht per Knopfdruck auf den Stand von FIFA 08 zurgestellt werden kann. Hierfür ein kleiner Minuspunkt. Habt ihr es aber erst einmal umkonfiguriert, bleiben die Einstellungen erhalten und sämtliche Kombinationen sind geradezu selbstverständlich möglich.

Ein Beispiel: In FIFA 08 schoss man noch mit D, passte in den freien Raum mit W und konnte beide Aktionen mit der Taste Q modifizieren. Die diente ferner dazu, Spieler bei Ballbesitz zu schicken und in der Defensive zwischen ihnen hin- und herzuwechseln. Drückte man also Q und D, wurde aus einem scharfen, aber unplatzierten Vollspannschuss plötzlich ein gefühlvoller Schlenzer. Das ist nun ebenfalls wieder der Fall.



Wer sich zum ersten Mal mit Maus und Tastatur versucht, muss damit
rechnen, auch mit Milan gegen Hoffenheim zu verlieren.


Die Innovation schlechthin ist dieses Jahr jedoch die Steuerung mit Maus und Tastatur, auf die die Standardkonfiguration mit W, A, S und D als Richtungstasten - praktisch wie in einem Ego-Shooter - ausgerichtet ist. Ihr bewegt die Spieler mit der Tastatur, geschossen und geflankt wird mit den Maustasten. Alternativ könnt ihr auch mit der Maus die Richtung bestimmen, in die es gehen soll. Wenn ihr zwischen den Spieler wechseln wollt, klickt ihr sie einfach an. Seid ihr im Ballbesitzt, passt ihr den Ball ebenfalls, indem ihr den Empfänger oder die gewünschte Stelle anklickt.

Soweit zur Theorie, doch wie spielt sich das praktisch? Ungewohnt, wenn man die ersten Spielzüge macht. Obgleich mir die WASD-Belegung sehr wohl geläufig war, fiel es mir zunächst schwer, Maus und Tastatur zu koordinieren. Nicht dort hinzuklicken, wo der Spieler hinlaufen soll, kostet viel Überwindung. Zudem verteilen sich die relevanten Objekte über das ganze Spielfeld. Es verlangt also äußerst flinke Augäpfel, die zwischen dem Spieler, den man am unteren Ende des Bildschirmes persönlich steuert, und dem, der am oberen Ende auf einen punktgenauen Pass wartet, hin- und herzuspringen. Wird das Spiel schneller, klickt man locker so oft wie in einem Echtzeitstrategiespiel. Dennoch, alles nur Gewöhnungssache, und wer sich die Mühe macht, umzulernen, wird mit einer taktischen Möglichkeit belohnt, die anderen Steuerungen nicht zur Verfügung steht. Mit Maus und Tastatur ist es nicht nur möglich, Pässe in den freien Raum zu spielen und Spieler zu schicken - wie bei Gamepad und Tastatur auch - sondern auch beides mit einander zu kombinieren. Ihr spielt einen Pass in den freien Raum und befehligt einen Mitspieler dorthin, wo der Ball auftreffen wird. Klingt wie ein unfairer Vorteil? Vielleicht, aber wie sich die Maus-Tastatur-Steuerung im Online-Spiel macht, bleibt ohnehin noch abzuwarten.


2.2. Der Schwierigkeitsgrad: Irgendwie leichter ...!?

Das war die Frage, die sich mir gleich nach den ersten Testspielen stellte, obwohl sie ursprünglich gar nicht auf meiner Liste stand. Der Grund: Die KI stürmt auf dem Schwierigkeitsgrad "Profi" (Torwart auf "Halb-Profi") zwar nach wie vor munter drauf los, offenbart aber vor allem in der Abwehr eklatante Schwächen. Wenn ich mich bei selben Einstellungen im Vorgänger gegen Teams wie Inter und Juventus wagte, biss ich mir an der gegnerischen Defensive und ganz besonders am Torwart nicht selten die Zähne aus. Jetzt sind Torchancen garantiert, der Keeper durchaus zu schlagen. Auch bei Flanken in den Strafraum halten sich die Tormänner deutlich öfter zurück als noch in FIFA 08.

Hinzu kommt weiterhin, dass starke Spieler weitaus vorteilhafter aus ihrem Pool individueller Fähigkeiten schöpfen. So lohnt sich ein überlegter Schuss mit dem technisch brillianten Kaká, während schwächere Akteure besser volle Lotte draufhalten sollten.


2.3. Der Be a Pro-Modus: Endlich mit Third Person-Perspektive

Der seit dem letzten Jahr so gerühmte Be a Pro-Modus, der nicht zufällig auch in NHL 09 Einzug gehalten hat, ist dank der neuen Grafik-Engine endlich auch aus der einmaligen Third Person-Perspektive zu spielen. War die Be a Pro-Kamera in FIFA 08 (PC-Version) eigentlich nicht viel mehr als die Tele-Kamera, habt ihr jetzt tatsächlich das Gefühl, mit eurem Spieler mittendrin zu sein. In der Prestige-Begegnung zwischen Argentinien und Brasilien entschied ich mich für Lionel Messi und testete die neue Sicht.



Die neue Perspektive macht den Be a Pro-Modus endlich zu etwas ganz besonderem
und ein Tor gegen Brasilien den Tag perfekt.


Wer selbst einmal richtig Fußball gespielt hat, findet sich rasch zurecht und weiß, dass man nach Kräften versucht, die eigene Position zu spielen, nicht wahllos über das ganze Spielfeld zu flitzen und das zu tun, was der Trainer von einem erwartet. Bereits ab dem Schwierigkeitsgrad "Profi" ist der Be a Pro-Modus eine harte Nuss, das Spielgefühl allerdings ein ganz anderes. Genau das macht ihn so attraktiv ...


Neues Design, gleiche Struktur, der Rest obliegt dem Spieler

Was die Struktur der Menüs anbelangt, baut FIFA 09 auf Altbewährtes. Ihr findet die Optionen, den Trainingsmodus und die Turniere also wieder genau dort, wo sie schon in FIFA 08 waren. Das hilft ungemein dabei, sich schnell zurechtzufinden. Einzig der Name der einen oder anderen Liga hat sich verändert. So sucht ihr euren italienischen Lieblingsclub nicht mehr unter "Ital. Serie A", sondern nur noch unter "Serie A". Der Wechsel vom klinisch-sauberen Weiß zum zeitlos-eleganten Schwarz schadet dem Ambiente in keinster Weise.

Ein dickes Lob verdient die neue Patch- und Updatefunktion, die euch nun nicht mehr zwingt, das Spiel zu verlassen, eine Website zu besuchen, dort die Patches herunterzuladen und in der richtigen Reihenfolge zu installieren, sondern alles binnen weniger Sekunden im Spiel erledigt. Das fördert die natürliche Bequemlichkeit des Menschen und verdient das Prädikat "besonders wertvoll".



Auch die Primera División gibt es nicht mehr. Barca-Fans suchen künftig
unter L nach ihrer Liga.


Wer an der Anordnung der Menüboxen oder dem Inhalt dieser etwas auszusetzen hat, darf kurzerhand selbst zur Tat schreiten und alles so designen, wie es ihm am liebsten ist. Ob News über den persönlichen Lieblingsclub, dessen aktuelle Tabellensituation oder die eigenen Online-Statistiken, ihr bestimmt über Sein und Nichtsein.


Fazit: "Geht's 'raus und spuilt's Fußball!"

Wir freuen uns auf die nächste Generation der Fußballspiele und die PC-Version von FIFA 09 ist endlich mit dabei. Es gibt sehr wohl noch immer Verbesserungsbedarf, speziell im Vergleich zur PlayStation 3- und Xbox 360-Ausgabe. Dazu gehört unter anderem das dürftig animierte Publikum, das während des Spiels aber ohnehin zur Nebensache schrumpft, wie Entwickler Paul Hossack uns bereits auf der vergangenen Games Convention in Leipzig versprach. Auch die Kommentare sind zum Großteil die selben, nur wenige neue Sätze kamen hinzu. Ansonsten glänzt FIFA 09 auf dem PC nicht zuletzt in grafischen Belangen, ein ordentliches System vorausgesetzt. Das Gras so grün, die Sonne gelb - der Sehnerv erlebt multiple Orgasmen.

Auf dem Platz zählt schlussendlich natürlich eines: "Tore, Tore, Tore!" Na gut, das waren drei Dinge, die sich mithilfe des überarbeiteten Gameplays dafür jedoch noch viel schöner und abwechslungsreicher erzielen lassen als je zuvor. Die Spielzüge bleiben dabei weitgehend die selben, allein die Feinheiten gilt es auf die neuen Features sowie die unterschiedlichen Steuerungen abzustimmen.

Durch die neue Funktion, die den Spieler sowohl Arrangement als auch Inhalt der News-Kästchen selbst bestimmen lässt, kann man sich das Foyer seines FIFA 09 nach persönlichen Vorlieben einrichten. Dadurch, dass fortwährend Nachrichten zum Lieblingsverein auftauchen hat man ferner das Gefühl, ständig ein Teil der Community zu sein und mitten im Fußballgeschäft zu stecken. Das macht natürlich Lust auf mehr ...

Mein Fazit gleicht daher einer kurzen Kaufempfehlung, die ich unter Zurhilfenahme des Kaisers Worte überzeugt herausposaunen kann: "Geht's 'raus und spuilt's Fußball!", am besten mit dem am Donnerstag erscheinenden FIFA 09.
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