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Es soll ja Leute geben, deren Leben mit den Computerspielen nicht mit den
Super Mario Bros. begann. Einer davon schrieb diesen Artikel. Sonic war allseits
bekannt, Donkey Kong auch, aber Mario und Luigi? Wer sind die? Mein Leben mit
den Games und insbesondere mit den Jump 'n' Runs begann mit den Giana Sisters,
bevor ich Monate danach erst von Super Mario als Spiel hörte. Doch lest weiter.
Es war einmal eine Zeit, ... Das ist irgendwie nicht der richtige Anfang ...
Gut, neuer Versuch: Tiefste ehemalige DDR, kurz nach der Wende. Der Vater kommt mit einer
Sammlung Pakete nach Hause, in die heute mit viel Glück gerade einmal eine
Tastatur passen würde. Auch wenn sein kleiner Sohn erst kurz stutze, war von Anfang an klar gewesen,
was in dieser Paketsammlung ist - man war ja als kleiner Junge gut
informiert und hatte seine Quellen: ein C64.
Der Sohnemann konnte alles mögliche versuchen - ran und spielen lassen war
nicht. Bis - ja, bis ein Arbeitskollege zu Besuch kam und so manch interessante
Datasette mitbrachte. Am gleichen Abend war Spielen angesagt und der Sohn ruhig
gestellt. Kurz vor dem Laden konnte er lesen was dort stand: "The Great Gianna
Sisters". Ok der kleine Fratz war nicht unwissend - Donkey Kong und Sonic sind
ihm schon über den Weg gelaufen, aber dieses Spiel war etwas anderes, etwas
Eigenes, das erste Spiel auf dem C64, welches man selber spielen durfte.

Zum Spiel selbst. Wie die Geschichte im Vorlauf zum Game verrät, ist dieses
Spiel ein Alptraum von Giana und ihrer Schwester, den sie nur über einen
riesigen Kristall wieder verlassen können. Ihr habt die Aufgabe in 33 Levels
genau dies zu tun und ihnen den Weg zu zeigen. Dabei begegnen euch diverse
Monster die ihr manchmal durch anspringen oder mit besonderen Fertigkeiten, wie
einer Stein zertrümmernden Punk-Frisur, der Möglichkeit zu schießen oder mit dem
Anhalten der Zeit, erledigen könnt.
Diese Fertigkeiten findet ihr in diversen bunten Steinen aber auch normalen
Wänden, die entweder damit oder mit kleinen Kristallen gefüllt sind. Wie ihr euch
sicher vorstellen könnt, erlauben euch die kleinen Kristalle weitere Leben zu
sammeln. Besonders gut versteckt sind Warp-Punkte, die euch zeitweise um bis zu
drei Levels voranbringen, ohne das ihr etwas dafür tun müsst. Lediglich gefunden
werden müssen sie, was jedoch bei unsichtbaren Steinen recht lange dauern kann.

Betrachten wir die geschichtlichen Tatsachen. Im Jahr 1987 von Armin Gessert,
Manfred Trenz und Chris Hülsbeck entwickelt, wurde es recht früh von vielen
Spielzeitschriften gelobt. Auch die Spieler waren nicht wenig daran
interessiert. Jedoch zeigte sich für informierte Kreise schnell ein Problem auf:
es erinnerte sehr stark an die Super Mario Bros. von Nintendo. Auch oder gerade
weil man selbst aus politischen Gründen nicht für den C64 entwickelte, gefiel
der Firma in Nippon der Erfolg des Titels nicht.
Dies bewog sie dazu, vor Gericht zu ziehen und die große Ähnlichkeit in
Aussehen und Steuerung zu ihrem markenrechtlich geschützten Spiel anzuprangern.
Natürlich war diese Klage von Erfolg gekrönt wodurch der weitere Verkauf des
Spieles und die Webung dafür nicht mehr möglich waren. Der Rechtsstreit an sich
war jedoch in der Szene Werbung genug gewesen, was dem Spiel einen riesigen
Bekanntheitsgrad verschaffte. Auch wenn es nicht mehr zu kaufen war, machten
Kopien die Runde und nahezu jeder C64 Besitzer hatte es.

Zurück zu dem kleinen Jungen. Das Ende von Level 3 - ein
riesiger Sprung im Spiel und ... KNACK ... das was der Joystick, der
seinen Abschied einläutete. C64 aus, nix mit weiterspielen. Der Vater war jedoch
clever und hatte noch einen zweiten Joystick in der Hinterhand. Rangestöpselt,
Spiel neu geladen, Gemecker sollte es später geben. Durch das frühe Ende seines
ersten Versuchs nicht entmutigt, suchte er nun die Schwachstellen im Spiel.
Erneut schaffte er es in das dritte Level und fand einen etwas seltsamen Stein,
der ihn in Level 6 katapultierte.
Auch dort fand er einen Weg, sein Leiden abzukürzen. Keine
Hindernisse gibt es nur am oberen Bildrand also den Weg des geringsten
Widerstandes genommen, hochgesprungen und zum Levelende gelaufen. Das Ende vom
Lied ist sein Rekord, bis zum Level 22 gekommen zu sein ohne wirklich groß
gespielt zu haben. Auch in späteren Versuchen schaffte er es nie über dieses
Level hinaus. Die Joysticks selten viel weiter. Kaum ein Game, abgesehen von den
Winter- oder Sommerspielen kosteten so viele Eingabegeräte, bis man mit den
kompatiblem Steuereinheiten des Atari 7800 einige Zeit später eine Lösung fand,
wobei er jedoch langsam aus diesem Spiel herausgewachsen war.

Fazit: Einzige Nachteile sind die meist sehr knapp bemessene
Zeit pro Runde und der teilweise hohe Schwierigkeitsgrad. Aber das interessante
Spiel und die stimmungsvolle Musik von Chris Hülsbeck entschädigen für Alles.
Den Stimmen, die dieses Spiel als eine Kopie von Super Mario bezeichnen kann ich
nur sagen: Und wenn? Es ist wenigstens eine verdammt gute Kopie - versteht es
als Hommage an das Original. Ich kann jedem nur empfehlen, das Spiel noch einmal
auszukramen und erneut sein Glück zu versuchen.
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