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Auch heute wollen wir uns dem Jungen zuwenden, der in den letzten Wochen
Gianna Sisters und
Turrican gespielt hat. Jetzt springen wir einige Jahre in der
Zeit zurück, zu dem Zeitpunkt, wo er das erste Mal in seinem Leben ein
Computerspiel zu Gesicht bekam und sein Taschengeld für dieses Game opferte.
Dieses Spiel war Pac-Man.
Einige Jahre vor der Wende, war es recht schwierig, in der DDR irgendwelche
Arcarde-Spiele oder auch nur irgendwas in der Richtung zu sehen beziehungsweise
zu spielen. Wenn überhaupt, dann konnte man ein Jahr vor Öffnung der Grenzen gen
Westen kleine Handhelds, mit Autorennen oder ähnlichen Sachen, aus russischer
oder jugoslawischer Produktion erstehen, die meist etwas mehr als nur das wenige
Taschengeld eines kleinen Jungen unter zehn Jahren auffraßen.
Sommerferien 1987, Urlaub in Binz auf der Insel Rügen. Der auch aktuell sehr
gut besuchte und nicht besonders günstige Kurort war schon zu Vorwendezeiten
sehr beliebt. Einige hatten das Glück, über den FDGB dort einen Urlaubsplatz zu
erhalten. Auch die Eltern des kleinen Jungen gehörten zu den Glücklichen und
durften zwei Wochen an der Ostsee neue Energie tanken. Nachdem der Urlaub
bereits einige Tage lief, entdeckte der kleine Sohnemann etwas in einem
Nebengang des Hotels, dass seine Aufmerksamkeit erregte: Ein etwa zwei Meter
hohes Gebilde mit einem farbigen Bildschirm, zwei Knöpfen und einem Stick - Pac-Man stand drauf.
Aber als Erstes zum Spiel selbst. Dort ist es notwendig auf 255 verschiedenen
Welten mit deinem Pac-Man alle gelben Punkte in einem kleinen, auf den
Bildschirm beschränkten, Labyrinth zu fressen. Diese Punkte bringen zum einen
eine Punktzahl, und beschränken die Spielzeit. Denn erst wenn alle aufgegessen
sind, ist die Runde zu Ende. Extras wie Kirschen, Äpfel, Birnen und viele
weitere Früchte erhöhen die Punktzahl um ein vielfaches, verschwinden jedoch
nach kurzer Zeit. Ein Hindernis sind dabei vier verschiedenfarbige Gegner die
Geistern ähnlich sehen und die dich bei Berührung ein Leben kosten.
Einige wenige Punkte, die sich durch ihr Blinken auszeichnen, bieten einen
Spezialeffekt. Sie drehen den Spieß um und bieten dir die Möglichkeit die vorab
genannten Geister ebenfalls aufzufressen und dadurch weitere Punkte abzusahnen.
Zwar ist auch dieser Effekt zeitlich beschränkt, jedoch bringt er die
gefressenen Geister zu ihrem Ursprungsort zurück und hält sie dort für kurze
Zeit fest. Die Geschwindigkeit erhöht sich von Level zu Level und auch die
Intelligenz der Gegner, die im späteren Verlauf kaum noch Umwege zu deinem Pac-Man nehmen.

Am 12. Mai 1980 in Japan auf den Markt gebracht, ist das Spiel ursprünglich
von Iwatani Torudas entwickelt worden. Anfangs war der Name Puck Man. Abgeleitet
ist dies vom japanischen paku paku für essen und der runden Gestalt der Hauptfigur,
die an einen Eishockey-Puck erinnert. Im Jahr 1981 folgte die Veröffentlichung
in den USA, wo dann auch der Name Pac Man entstand. Seit diesem Zeitpunkt hören
die vier Monster auch auf den Namen Blinky, Pinky, Inky und Clyde.
Alle 255 Level und die Höchstzahl der möglichen Punkte zu erreichen war
bisher nicht besonders oft passiert. Nachgewiesen ist das erste Mal im Jahr 1999
wo 3.333.360 Punkte erreicht wurden, was als perfektes Ergebnis und auch als
perfektes Spiel gilt. Es existiert auch ein 256stes Level, welches jedoch durch
einen 8Bit Überlauf nur zur Hälfte generiert wird. Dadurch ist es nicht möglich
dieses Level abzuschließen.
Doch zurück zum Zwerg mit seinem Taschengeld. Was machte der Kleine wohl, als
er diese Maschine entdeckte? Ganz klar: er zückte sein Taschengeld, welches sich
auf ganze fünf Mark beschränkte, schnappte sich einen Stuhl zum draufstellen, da
er trotz seiner Größe nicht den ganzen Bildschirm im Blick hatte und warf das
Geld ein. Spiel gestartet und sein Glück versucht.
Das bereits recht früh die erste Mark weg war und er so langsam aber sicher
das Spielprinzip verstand, dürfte klar sein. 6 Levels geschafft, die letzte Mark
verzockt und von der Arcardekonsole durch die Eltern mitten im Spiel weggezerrt,
endete der erste Kontakt des Jungen mit einem Computerspiel recht abrupt aber
nicht weniger beeindruckt. Die spätere Bitte an die Eltern nach einer
Aufforstung seines Taschengeldes blieb unbeantwortet und so sah er das Spiel erst
einige Jahre später auf dem C64 wieder.
Fazit: Auch nach einem kürzlich erfolgten, erneuten Versuch kam ich nie über
Level 12 hinaus, weshalb mir auch unverständlich ist, wie man Level 255
erreichen kann. Ich werde es trotzdem weiter versuchen, denn eines ist in diesem
Spiel sicher - es bietet auch beim hundertsten Versuch seinen eigenen Rekord zu
brechen noch genügend Spannung. Und dieses Spiel ist nicht ohne Grund Kult - es
ist einfach, es ist herausfordernd, es ist gut. Ich versuche auch weiterhin mein
Glück wenigstens mal in die Nähe von Level 100 zu kommen.
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