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Ein weiteres Mal sind wir bei dem kleinen Jungen,
der bereits fleißig
Gianna Sisters gespielt hat. Nach dieser Tortur für den Joystick, widmen wir
uns heute einem Spiel, welches ebenfalls nicht gerade eine Freude für
dieses Eingabegerät war. Jedoch war das dort am meisten beanspruchte Teil der
Feuerknopf. Die Rede ist von dem Jump
'n Shoot Spiel Turrican.
Immer noch tiefste ehemalige DDR, der Junge ist jetzt ein halbes Jahr älter
und findet langsam keinen Gefallen mehr an den, mit
Steinzertrümmernder Punkfrisur ausgerüsteten, Schwestern. Auch dem Vater ist
dies nicht entgangen. Jetzt galt es, im seine Freude an der neuen, erst ein halbes Jahr alten,
technischen Spielerei zu erhalten. Natürlich wollte er auch, dass sich
der Jungspund auch ein wenig mit der Technologie beschäftigt. Wissen
kann bekanntlich nie schaden.
Sturmfrei! Mutter und Schwester sind weg, Vater und Sohn allein daheim. Zeit
gemeinsamen, und aus der Sicht des weiblichen Geschlechts
verabscheuungswürdigen, Hobbys nachzugehen. Also den C64 an den Fernseher
gestöpselt und im Wohnzimmer für Gemütlichkeit, sprich Dunkelheit, gesorgt.
Gerade weil der Sohn jetzt eher mit den Gianna Sisters gerechnet hat, und leicht
wegzudämmern versuchte, überraschte ihn die Wahl der neuen Diskette: schwarz mit
einem futuristischen Soldaten als Logo. "Turrican" stand drauf. Der Sohn
war sofort hell wach.

Bereits die Einleitung des Spieles verrät einiges: Wellcome to Turrican, be
my Guest, another day another try, but remember, shoot or die. Fraglich bleibt
in diesem Teil der Reihe leider, woher der Titel kommt und wie der Held heißen
mag. In fünf verschiedenen Welten, welche in 13 Levels aufgeteilt ist, heißt es
durchkämpfen, wobei ein vorsichtiges Agieren durchaus hilfreich ist. Sinn des
Spieles ist es, den Protagonisten durch eine Welt zu steuern, die ihm durchweg
feindlich gesinnt ist. Alles und Jeder hat etwas gegen ihn.
Einzig hilfreich sind einige Bausteine für den Anzug, die sich in fliegenden
Rhomben befinden und diverse Upgrades liefern. Von normalem Schüssen über Phaser,
Bubbles und viele Variationen davon, bis hin zu Tretminen und einer
Strahlenwaffe die den Bildschirm leert aber auch Energie, kann alles darin
gefunden werden. Ebenfalls positiv, insbesondere für die Hall of Fame, ist zudem
das sammeln von überall auftauchenden Kristallen, die die Punktzahl erhöhen.
Dabei empfiehlt es sich zügig zu sein, und sich nicht zu viele Umwege zum Ziel
zu erlauben.

Aber gehen wir auf die Geschichte des Spieles etwas genauer ein. Im Jahr 1990
entwickelt, waren auch hier einige bekannte Entwickler vertreten. Unter anderem
zeigten sich
wieder Manfred Trenz und Chris Hülsbeck für Programmierung und Musik
verantwortlich. Sehr beeindruckend waren zu dieser Zeit bereits die technischen
Möglichkeiten, die das Spiel bot. Gegner die nicht immer auf dem direkten Weg
auf jemanden zukamen, sondern zeitweise auch mal nachließen um darauf um so
schlimmer anzugreifen oder einen anderen Weg versuchten, Variationen im
Auftreten von Gegnern oder Rückberufung auf frühere Geschehnisse an gleicher
Stelle.
Die Grafik war zu dieser Zeit aber das überzeugendste Argument, denn sie
suchte bis zu dem Release des Spieles ihresgleichen. So konnte man zum Beispiel
einzelne Details des Anzuges ausmachen, fand einen Detailreichtum in
Gegenständen oder Gegnern, der bisher nie zu sehen war und wurde mit Effekten
verwöhnt, die bisher nur aus Grafikdemos oder dem ein oder anderen Vorspann
bekannt war. Das interessanteste war aber, dass all das ohne Ruckeln,
Verzögerungen oder Bugs auftrat.

Nach dem Ladebildschirm begrüßt durch eine etwas Furcht einflößende Stimme
blieb lediglich ein Satzteil im Kopf des Jungen hängen: shoot or die. Wenn der
junge bisher nur hellwach war, freute er sich bereits auf das Spiel. In Spielen
rumballern war ganz nach seinem Geschmack. Nach dem Spawn kamen bereits die
ersten Gegner auf einen zu und eine Sache viel auf, abgesehen von den speziellen
Waffen, war die Munition unbegrenzt. Jetzt wurde es spannend. Dauerfeuer an und
durch die Welt gesprungen.
Einige Sachen sollten dem Jungen auch Jahre später im Gedächtnis bleiben.
Alles was mit der Musik des Spieles zu tun hatte, wie die Titelmusik, die Musik
zu Einleitung und, und, und. Selbst wenn die meisten der Levels ohne Musik
waren, diese gingen ihm nie aus dem Kopf. Schuld daran könnten auch seine
Aufnahmen auf Kassette davon gewesen sein. Ebenfalls unvergesslich waren seine
viele Versuche bei den diversen Endbossen, bis er merkte, dass nicht immer und
überall Dauerfeuer, sondern überlegtes Vorgehen von Vorteil sein kann. Dennoch
gelang es ihm, in seiner ganzen Zeit als Spieler, nur ein Mal, das Spiel zu
vollenden.

Fazit: 15 Jahre lang verzweifelte Versuche erneut bis zum finalen Kampf zu kommen,
lassen nur eines schlussfolgern: entweder ist der Typ irre oder das Spiel ist
einfach nur gut. Ich plädiere für Letzteres. Die bereits mehrfach erwähnte
stimmungsvolle Musik trägt ihren Teil dazu bei. Nachteile gibt es aber auch in
diesem Spiel. Die vorgegebene Zeit pro Runde ist so eng bemessen, dass es nur
selten machbar ist, das Ziel des Levels zu finden, ohne ein Leben zu verlieren.
So bietet es sich an, die Abseits der Wege meist zu Hauf vorhanden 1UPs, sprich
Leben, einzusammeln. Aus diesem Grund werde ich weiter versuchen, ein zweites Mal das Spiel durchzuspielen und kann Jedem nur empfehlen, es mir gleich zu tun.
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