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„Stell dir vor es herrscht Krieg und keiner kommt“ - lautet ein weit verbreiteter Spruch. Die ESL hat das heute gespürt, wenn der Satz „Stell dir vor, es ist eSports Award – und es interessiert keine Sau“ lauten würde. Was gestern in Leipzig passiert ist, kann man als eSports-Fan kaum fassen.
Seit Anbeginn der eSports-Awards versucht der Veranstalter mehr und mehr Professionalität in dieses Event zu bringen. So durften wir im vergangenen Jahr bei den Hosts Anzug und Abendkleid bewundern oder die Umstellung darauf, nur Englisch zu sprechen. Auch dieses Jahr sollte das Ziel so lauten: was jedoch gründlich daneben ging!
Verspätungen im eSports sind eine ärgerliche Sache, aber bei einer Awardverleihung ist es schlicht indiskutabel. Fraglich ist auch, warum die Abfertigung der knapp 150 geladenen Gäste so lange gedauert hat. Man könnte vielleicht als Gründe heranführen, dass die Gästeliste völlig chaotisch aufgebaut war. Dies hatte zur Folge, dass man ewig lange den Namen suchen musste. Auch ist die Aufteilung der beiden Eingänge suboptimal. Zwar klingen „Business Entrance“ und „Special Guest Entrance“ sehr stilvoll, jedoch macht es wenig Sinn durch den einen zehn und durch den anderen 140 Leute hereinzulassen. „Von eSportlern für eSportler“ - hieß es einst. Widersprüchlich ist es nun aber daher, das diesmal nur geladene Gäste erwünscht waren. Das Ergebnis war sehr viel Platz für uns auf der Tribüne. Doch die Probleme nahmen kein Abriss. Das Mikro streikte. So redete ESL Chef Jens Hilgers erstmal eine Weile mit sich selbst. Das herangeschafft Ersatzmikro streikte dann auch, sodass Host James Harding seines abgeben musste. Mit Gelegenheitswitzen versuchte er das Programm aufzulockern. Auch war es nicht möglich, den Fehler zu beheben: so musste jeder Gast nun mit dem Handmikro arbeiten. Hinter dem Pult stehend sah das teilweise kurios aus. Ebenso gestaltete sich das Öffnen der Briefumschläge mit nur einer Hand sehr schwierig. Nachdem der Chef der ESL seine Eröffnungsrede im Stile einer Pressekonferenz hinter sich gebracht hatte, begann die Verleihung der zehn Awards. Von diesen zehn Stück wurden aber nur magere vier von den Leuten abgeholt, die sie eigentlich gewonnen hatten. Weder der beste Spieler in CS 1.6, noch der beste Spieler in WC3, noch der generell beste Spieler des Jahres 2008 wollten ihre Awards in Empfang nehmen. Ein klares Bekenntnis der Szene zum Stellenwert? Den Vogel schoss aber Activision ab. Mit Call Of Duty 4 hatten sie den Preis für den besten eSports-Titel gewonnen. Das war an sich keine Überraschung. Für die 2640 Mitarbeiter aber anscheinend schon – es kam kein einziger. Zwischenzeitlich gab es weitere Pannen. So wissen wir nun, dass auf dem Rechner der die Videos steuerte, Norton Antivirus installiert ist. Wir wissen auch das es seit 30 Tagen nicht aktualisiert wurde, denn das Fenster tauchte mitten in der Verleihung auf und blieb auch eine Weile. Insbesondere der Vertreter von McAfee hatte sich gefreut, denn dieses Unternehmen ist ein Gönner der ESL. So stotterten sich die Gäste von einem Award zum nächsten. Langatmige Zwischenreden und viel zu schnelle Vorstellungen der Nominierten ließen das Hirn arbeiten. Sollte es nicht anders herum sein? Die kurzen Profile flogen so schnell durchs Bild, dass man die Namen kaum fertig aussprechen konnte. Die Seriosität war endgültig verloren, als ein Intelvertreter seine Wettschulden einlöste und plötzlich auf der Bühne abrockte. Dem war eine lange Rede eines anderen Vertreters vorangegangen, die alles erläutern sollte. Das wiederum interessierte aber keinen der Gäste. Auch inhaltlich war nicht viel geboten. Das Highlight war die Verleihung des Awards für die beste Szeneseite. Hier gewann Replays.net (China) und Jens Hilgers nahm den Preis in Empfang. Dieser nutze die Gelegenheit gleich um die Turtle Strategie für den chinesischen eSports-Markt zu erläutern. Als Rechtfertigung seiner Vertretung führte er an, dass kein Vertreter von Replays.net zugegen ist. Dies kann jedoch nicht stimmen, da die Seite auch von den ENC und der WCG Qualifikation berichtet. Ein weiterer Punkt war die Nominierung von moon. Dieser wurde bisher jedes Jahr nominiert, hat dabei aber noch nie einen Award gewonnen. Das muss nach fünf Jahren einem Mitarbeiter aufgefallen sein, sodass er dieses Jahr gleich zwei bekam. Als Harding sich sinngemäß mit „Ich habe keine Abschlussrede vorbereitet – machen Sie es gut“ verabschiedete, dachte wahrscheinlich jeder, dass Turtle nun jedes Fettnäpfchen erwischt hat und es nun auch reicht. Dies war ein Irrtum. Über Funk wurde dem Host mitgeteilt, dass ein Stefan von Activision nun da sei. Als er ihn ansagte, ging das Licht aus, die Nebelmaschine sprang an und Jubel strömte durch die Halle: aber da kam keiner. Betretenes Schweigen. Dann entschuldigte sich Harding und rief einen anderen Namen auf. Gleiches Theater mit Licht und Applaus: doch wieder kam keiner. Dann gab der Host auf und plötzlich war alles vorbei. Fragende Blicke unter den Gästen aufgrund des abrupten Endes, aber es sollte wirklich vorbei sein. Im Fazit kann man über diese Veranstaltung nur den Kopf schütteln. Ein herber Rückschlag für die eSports-Szene in Sachen Außenwirkung. Die Sieger: Breakthrough of the Year Antonio "cyx" Daniloski Scene Journalist Award Michal "Carmac" Blicharz Best eSports Game of the Year (Uservote) Call of Duty 4 (Infinity Ward / Activision) Special Award (Project of the University of Aachen, Designing an eSports Arena) Gerrit Sauer Best eSports Coverage (Uservote) replays.net Best Counter-Strike Player Christoffer 'Sunde' Sunde Best Warcraft 3 Player Jang 'Moon' JaeHo Best Journalist Winfried Laasch (3sat) eSports Team of the Year mTw Denmark (Counter-Strike 1.6) eSports Player of the Year Jang 'Moon' JaeHo Relevante Links » Datum ... 24.08.2008 15:55 Kategorie ... GC 2008 Meinungen ... 23 Kommentare
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